Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Das Ende der Bünde
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Günter Friedländer: Das Ende der Bände II: Der Aufbau der Jugend wie ein solches Heim aussehen müßte, wo Jungen aus Kleingemeinden drei schwere Jahre der Berufsumschichtung, oft die letzten Jahre ihrer kurzen Jugend, die letzten Jahre in Deutschland verbringen sollen, und vergleiche sie mit der behelfsmäßigen, zufälligen, ungepflegten Wirklichkeit. In einem neugeschaffenen Berliner Wohnheim wollte ein Teil der Bewohner nach kurzer Zeit das Heim verlassen und war nur aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage dazu. Es müßte gelingen, die sportliche Erziehung der jüdischen Jugend in Deutschland mit einer charakterlichen zu verbinden. Mehrere Jahrgänge von Sportlehrern sind neu ausgebildet worden. Gäbe man ihnen, nach einer entsprechenden pädagogischen Ausbildung, in den Sportvereinen die Erziehung der Jugend in die Hand, hielte man aus pädagogischen Gründen die Jugendgruppen innerhalb der Vereine abgetrennt, so wären neue große erzieherische Möglichkeiten daraus zu entwickeln. Es gibt noch mehr zu tun. Das Lehrhaus sollte in seinem Vorlesungsplan die Interessen Jugendlicher berücksichtigen, die erfahrungsgemäß ungern die allgemeinen Veranstaltungen besuchen. Wo die Schulen aus bestimmten Gründen keine Arbeitsgemeinschaften abhalten können, müßte das Lehrhaus die Aufgabe der Freizeitgestaltung mitübernehmen. Den Kulturbünden öffnet sich mit dem Versuch der so notwendigen künstlerischen Erziehung ein neues Aufgabengebiet. Sie sollten in Laienbühnen, Chören und Jugendorchestern die tätige künstlerische Liebe der Jugend wecken und stärken. Jüdischen Schriftstellern bleibt die Aufgabe, eine Jugendliteratur zu schaffen. Sagen- und Märchenbücher, Abenteurer-Erzählungen und Reisebücher, selbst Stücke zur Aufführung an den Festtagen fehlen noch fast völlig. Neue kostspielige Einrichtungen, grundsätzliche Änderungen sind also nicht erforderlich und bei der nur kurzen Dauer des jetzigen Umfangs der Erziehung in Deutschland nicht einmal zweckdienlich. Doch das Vorhandene muß ausgebaut, aus seinem zufälligen Nebeneinander in ein sinnvolles Miteinander gebracht werden. Es wäre zu erwägen, ob nicht der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände oder das Schuldezernat der Reichsvertretung zu einem Jugenddezernat zu erweitern wäre. Der jüdischen Jugend das Gefühl wiederzugeben, daß mehr als nur das Notwendigste für sie getan wird, alle Möglichkeiten ihrer Erfassung und Bildung zu prüfen und zu wecken, alle geeigneten Menschen, besonders aus den Bünden zu sammeln und einzusetzen, das sind die Voraussetzungen für den Aufbau der Jugend. Diese Jugend hat in entschlossener Berufsumschichtung wie in der Arbeit der Bünde bewiesen, daß sie bereit ist, ihr Schicksal „wie eine Krone, nicht wie ein Joch" zu tragen. Ihre Bereitschaft darf nicht in dem Gefühl der Unsicherheit und der Enge verlorengehen. 336