Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Hersch Ostropoler
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 332 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Walter Laaser: Hersch Ostropoler, ein jüdischer Eulenspiegel damals gegeben hatte. Doch Hersch antwortete: „Rabbi, als ich Eure Antwort gründlich vornahm und zerkaute, blieb nichts von ihr übrig, und die alte Frage tauchte wieder auf." An einem kalten Wintertag kam Hersch müde und frierend ins Lehrhaus. Ein mitleidiger Student bewirtete ihn mit heißem Tee. Hersch bedankte sich und wünschte ihm eine Braut: schön, reich und verrückt solle sie sein. Auf die Frage, warum verrückt, erwiderte er: „Wenn sie schön und reich ist, muß sie verrückt sein, um dich zu nehmen, mein Junge." Als ein Händler ihm auf dem Markt durchaus einen Schrank verkaufen wollte, fragte er ihn: „Was soll ich mit einem Schrank?" Der Händler erwiderte: „Deine Kleider hineintun." Darauf Hersch: „Und ich soll nackt herumlaufen?" Bekannt sind die kabbalistischen Spielereien mit den Zahlenwerten von Worten und Buchstaben. Als Hersch einmal in großer Not war, versuchte er, von einem Mann namens Leib Lebensmittel auf Kredit zu erhalten. Als der Verkäufer sich weigerte, schimpfte er: „Dein Name ist ein Omen, — nicht umsonst hat er denselben Zahlenwert wie Keleb (Hund)." Leib rechnete schnell nach und erwiderte triumphierend, der Zahlenwert von Keleb sei 52, von Leib 42, also fehlten 10! Hersch sagte nur verächtlich: „Eben, ich meinte einen Hund ohne Zähne." Kein Wunder, daß er mit seinem Mundwerk oft übel wegkam. Eines Tages kam er schreiend an, Mendel habe ihn schlagen wollen. Das sei doch nicht schlimm? „Wieso — hätte er's nicht gewollt, hätf er's doch auch nicht getan." Eines Tages bat er um eine Gabe. Man kannte ihn nicht und fragte, wer er sei? Der Schwager Gottes, sagte er. Wieso? „Nun, mein Schwiegervater hatte zwei Töchter, die eine nahm ich, die andre — Gott!" Die Ehe war sehr unglücklich; seine Frau, eine wahre Xanthippe, machte ihn für alles und jedes einschließlich Hunger und Armut verantwortlich. Wollte jemand wissen, woher sein Gesicht zerkratzt sei, sagte er lakonisch: „Handarbeit meiner Frau." Wurde er gefragt, wie es käme, daß er trotz seines vorgerückten Alters und des stattlichen Packens, den er zu tragen., habe, so jung aussehe: die Bosheit seines Weibes nehme ihm die Hälfte seiner Jahre und halbiere so sein Alter, war die Antwort. Doch die Frau hatte es auch nicht leicht mit ihm. Eines Abends trug er ihr auf, ihn zu wecken, wenn er trinken wolle. Sie drang auf genauere Zeitangabe — „Frag nicht", erwiderte er, „wenn du mich weckst, will ich trinken!" Eine seiner Töchter starb im heiratsfähigen Alter. Er forderte von einem Gönner das Geld, das dieser für ihre Ausstattung versprochen. Als der ein verwundertes Gesicht machte, fuhr Hersch ihn an: „Willst du sie beerben?!" 332