Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Hersch Ostropoler
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 333 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Günter Friedländer: Das Ende der Bände II: Der Aufbau der Jugend Eines Tages ging er mit seinem Freund Chajkel spazieren. Sie sahen ein schönes Haus, und Hersch wünschte es sich. „Dann reserviere mir eine Wohnung darin", lachte der Freund. „Ich denke nicht dran", erwiderte Hersch, „du kannst dir selber ein Haus wünschen". Ein andermal kritisierte er ein Haus. Der Eigentümer kam heraus: „Was geht dich das Haus an? Ich habe es erst vor zwei Monaten gekauft." — „Und woher weißt du, ob nicht in zwei Monaten ich es kaufen werde?" Günter Friedländer: DaS Ende der BÜtlde II 2 Der Aufbau der Jugend Gäbe es eine jüdische Erziehungslehre, d.h. einen festen und bestimmten Begriff des Judentums, der nur auf das Gebiet * der Jugenderziehung übertragen zu werden brauchte, so hätten die Ideale der Jugendbewegung in diesem größeren Ziele aufgehen können. Da ein so klares Bild des Judentums jedoch nicht besteht und auch schwerlich sehr bald gewonnen sein wird, muß man sich damit begnügen, den unmittelbar dringenden Aufgaben gerecht zu werden. Wohl gilt es einige tausende jüdischer Jugendlicher, deren Erziehung unter andern Voraussetzungen begonnen wurde, in neue Bahnen zu leiten; andererseits ist die gegenwärtigen Lage zeitlich begrenzt und deshalb übersehbar. Die Ansatzpunkte der Erziehung ergeben sich einmal aus den Problemen selbst, zum andern aus den vorhandenen Einrichtungen; denn da die Mittel schmal sind und der Hauptteil dieser Jugend in wenigen Jahren nicht mehr in Deutschland sein wird, muß jeder entbehrliche Aufwand vermieden werden. Die Probleme jüdischer Jugendlicher sind auf einen Hauptnenner zu bringen: das Gefühl der Heimatlosigkeit. Das gilt zunächst im eigentlichen Sinn. Viele Jugendliche haben das Gefühl der Heimatverbundenheit, die Beziehung zur heimatlichen Landschaft und damit auch ein unmittelbares Naturgefühl verloren. Heimatlosigkeit ist auch die Empfindung, mit der der jüdische Jugendliche an seine Zukunft denkt. Illusionslos und standpunktlos wägt er ab, wo eine Lücke in der versperrten Welt offen steht; kühl wird registriert, wo man Verwandte hat, wo das Klima erträglich, die Arbeitsbedingungen nicht ganz ungünstig sind. Nirgends der Versuch, ein Land für sich zu entdecken, in dem man einmal wieder zu Hause sein wird; man hat Heimatlosigkeit als Schicksal hingenommen. Ein großer Teil der jüdischen Jugend fühlt sich auch gesellschaftlich vereinsamt. Wer einmal im Bund war, hat eine kriti- 333