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Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 329

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Die Bibel im neuen Palästina
Date
1937-11-01
Page
329 (sequence 5)
Language
German
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Die Bibel im neuen Palästina. neues Stadium getreten ist. Auch jüdische Wissenschaftler, die keineswegs als dogmatisch orthodox anzusprechen sind, suchen die Einheit der Tora oder doch ihres ersten Buches gegen die bibelkritischen Trennungen erneut zu beweisen, wie das Cas- .suto und Benno Jacob in den letzten Jahren in großangelegten Werken getan haben. Bemerkenswert ist daran vor allem der Versuch, denjenigen Sinn der Bibel zu ermitteln, der sich aus dem nun einmal vorliegenden, wie auch immer zusammengesetzten Schriftwerk ergibt. Dieser Versuch wird vielleicht eher gestört als gefördert, wenn er wie bei Jacob mit einem großen Aufgebot von Kritik an der Bibelkritik unternommen wird, weil der Mut zum neuen Midrasch aus freilich sehr verständlichen Gründen zunächst noch mangelt und mangeln muß, solange wir keinen neuen Pschat, d.h. einen wissenschaftlich und weltanschaulich uns entsprechenden Wortsinn bejahen können. Weiter führt die Auffassung Franz Rosenzweigs, der Buber sich in seiner Übersetzung weitgehend angeschlossen hat: sie faßt das bibelkritische Sigel „R" nicht wie üblich als den bloßen „Redaktor" der verschiedenen biblischen Quellen zu einer literarischen Einheit auf, sondern als „Rabbenu", „unser Lehrer". Diese Wendung Rosenzweigs beläßt die bibelkritischen Fragen in ihrem philologisch-wissenschaftlichen Recht, nimmt aber den Thesen der Bibelkritik die. religiöse Wichtigkeit. So läßt sie die Bibelkritik gleichsam hinter sich liegen und fragt lediglich nach der religiösen Wirkung, also nach der Rezeption der Bibel, wie sie nun einmal ist oder geworden ist. Steht es doch außer Zweifel, daß eine Wirkung auf das jüdische Volk und die Völker der Welt eben nur von der einheitlichen Bibel, nicht aber von deren etwaigen Quellenschriften ausging. Trotzdem wird auch diese Auskunft nicht auf die Dauer genügen. Das historische Klarheitsbedürfnis, der Wille zur intellektuellen Rechtschaffenheit stellt immer wieder Rankes Frage, wie es eigentlich gewesen, wie also der jüdische Glaube in seiner Urform wirklich entstanden ist. Diese Frage läßt sich auf die Dauer nicht betäuben durch den Hinweis auf die Form, die dieser Glaube später angenommen hat. Damit ist die bibelkritische Problemstellung aufs neue offen. Darüber hinaus hat uns die Bibelkritik häufig auch positiv religiös etwas zu sagen: Glaube und Geschichte verlaufen ja gerade dem gläubigen Menschen oder jedenfalls dem gläubigen Juden keinesfalls auf zwei verschiedenen Ebenen, sondern der Glaube bewährt und gestaltet sich in der Geschichte. So wird es etwa für das Verständnis der prophetischen Glaubenshaltung wichtig, wenn durch quellenkritische Untersuchungen ihre historische Umwelt deutlich wird. Aber noch mehr! Wenn es im fünften Buche der Tora heißt: „Wegstreifen wird ER, dein Gott, diese Stämme vor deinem Antlitz 329

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