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Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 326

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Die Bibel im neuen Palästina
Date
1937-11-01
Page
326 (sequence 2)
Language
German
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Ernst Simon Kanaans durch Josua sei die eigentliche Ursprungstatsache der israelitischen Religion gewesen. An die Stelle des Bundesberges der Wüste Sinai, sagt er, tritt der palästinensische Bundesberg Garizim, an die Stelle der heiligen Hauptstadt Jerusalem das weit weniger geheiligte Sichern und an die Stelle des prophetischabstrakten Gesetzgebers einer Zukunft, Moses, der politische Gesetzgeber für die eigene Gegenwart, Josua. Er sucht die Bibel in ein jüdisches Nibelungenlied zu verwandeln. Noch einen Schritt weiter geht Josef Chaim Brenner, der bei den Unruhen des Jahres 1921 ermordete jüdische Arbeiterdichter, Freund und Verehrer Berdiczewskys und, doch in ungleich schärferer Tonart, Gegner Achad Haams und seiner Lehre. In aufsehenerregenden Artikeln der Wochenschrift der palästinensischen Arbeiterpartei „Hapoel Hazair" versuchte er den Nachweis zu führen, daß ein neues, auf Land, Sprache und Selbstarbeit gestelltes jüdisches Volk das Recht und die Pflicht habe, sich von der „Hypnose der 24 Bücher" des biblischen Kanons zu befreien. Es sei in keiner Weise gerechtfertigt, die Bibel dogmatisch in den Mittelpunkt unseres geistigen Lebens und unseres Erziehungswesens zu stellen. Jeder andere große Menschheitswert, bei welchem Volke und in welcher Glaubensform er auch aufgetreten sei, habe, natürlich in hebräischer Übersetzung, berechtigten Anspruch, in freien Wettbewerb mit der Bibel zu treten. Auf diese Weise würden diejenigen Bücher, die jeweils einen zentralen Rang behaupten, nach Epochen und Individualität wechseln können und die Bibel ihr ungerechtfertigt gewordenes Monopol verlieren. IL Prüft man die tatsächliche Einstellung des jüdischen Jischuw in Palästina zur biblischen Überlieferung im Lichte der drei hier kurz vorgetragenen Auffassungen, so ergibt sich folgendes: die radikalste der Thesen, die Brenners, ist im Leben der Schule und Jugend kaum zur Geltung gekommen. Selbst das (in vieler Hinsicht überaus beachtenswerte) Erziehungswerk des Haschomer Hazair, in dem die Bibel einen weniger zentralen Platz einnimmt als sonst, geht schwerlich so weit wie Brenner. Stehen hier manchen Teilen der Bibel, besonders den kosmologischen, weltanschauliche Bedenken gegenüber, tritt sie infolge der didaktischen Eigenart dieses Unterrichts, der auf Fächer verzichtet und den Lernstoff um bestimmte zentrale Themen („Projekte") gruppiert, als einheitliches literarisches oder gar religiöses Ganze naturgemäß etwas in den Hintergrund, so sorgen doch immer die Kinder selbst — und natürlich auch die Lehrer — dafür, daß sie niemals vergessen werden kann. Bei den Versuchen, für die Acht- und Neunjährigen in Mischmar Haemek, dem zentralen 326

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