Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Einwanderung nach Amerika
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 323 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Einwanderung nach Amerika natürlich bei allen diesen Zahlen immer wieder daran erinnern, daß mehr als ein Drittel der Einwohner New Yorks Juden sind.) Unter den Schulvorständen der 55 höheren Schulen New Yorks seien nur 5 Juden. Von sehr verläßlicher jüdischer Seite wurden etwas andere Zahlen für New York genannt (die Differenz hängt möglicherweise damit zusammen, daß diese Zahlen neuer sind als die des Berichts): Jüdischer Bevölkerungsanteil New Yorks rund 35o/o, Anteil an der Lehrerschaft 200/0, an der Zahl der Schulvorstände 15o/o. Man kann aber nicht genug betonen, daß New York auch für Amerika ein Sonderfall ist. In Kalifornien z. B. werden die Aussichten für jüdische Bewerber um den Posten eines Schulvorstandes (außer in den beiden Großstädten) fast Null sein, weil meist auf kirchliche Beziehungen Wert gelegt wird; der jüdische Lehrer aber wird nicht viel Benachteiligung spüren. Für Amerika im Ganzen stimmt es gewiß nicht, daß, wie Prinz meint, kein wichtiger Lehrstuhl an einer großen Universität einem Juden anvertraut wäre; seine Feststellung, daß alle echten Klubs entweder ganz jüdisch oder judenrein seien, trifft mindestens für die Westküste nicht zu. Wenn es in New York wirklich so sein sollte^ daß jüdische und nichtjüdische Geschäftsleute Partner sein mögen und doch ihre Familien sich nicht kennen, so würde die Kenntnis dieser Tatsache in Kalifornien bei Christen und Juden den Glauben verstärken, daß die New Yorker eigentlich eine Art äußerlich zivilisierter Wilder seien und daß ein Teil der für China bestimmten Missionare besser nach dem Osten entsendet würden. (Die gleiche Auffassung besteht in New York gegenüber Kalifornien.) Aber wichtiger als die Berichtigung solcher tatsächlicher Irrtumer ist die Betonung, wie notwendig es ist, daß die Grundsätze, die Prinz für die Haltung des Einwanderers entwickelt hat, auch auf die Judenfrage angewendet werden. Auch wer überzeugt ist, daß die revolutionäre Umgestaltung der jüdischen Lage in Deutschland kennzeichnend für das künftige Schicksal der Juden auf der ganzen Welt sei, braucht es nicht für seine Aufgabe zu halten, den amerikanischen Juden den richtigen Begriff vom Judentum beizubringen. Er wird willkommen sein, wenn er seine Ansichten im Meinungsaustausch vertritt, aber er soll nicht den Propheten spielen, der einer Einsicht in eine endgiltige und keiner Diskussion mehr unterworfene geschichtliche Wahrheit gewürdigt worden ist. Wer mit einer optimistischeren Deutung des jüdischen Schicksals herüberkommt und diese Deutung darin bestätigt findet, daß er von christlichen Kreisen mit Herzlichkeit aufgenommen oder sogar als bevorzugter Gast und höchst erwünschter künftiger Mitbürger behandelt wird, sollte trotzdem nicht erzählen, daß es in Amerika keinen Antisemitismus gibt. Er soll sich darüber klar sein, daß 323