Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Einwanderung nach Amerika
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 322 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Carl Landauer serer Wohlfahrtsorganisationen. Das hindert sie nicht, reichlich für den Jewish Weifare Fund zu geben, aber es macht sie sehr hellhörig für alle Äußerungen der Neuankömmlinge. Die Folgerungen verstehen sich wohl von selbst. Im übrigen geht die verschiedenartige Beurteilung der jüdischen Situation in Amerika hauptsächlich auf zwei Tatsachen zurück: daß viele Menschen einen ganz verschiedenen Maßstab an die Dinge anlegen, und daß auch hier vielfach die Verschiedenheit der Verhältnisse in den einzelnen Landesteilen nicht genügend berücksichtigt wird. Wer erwartet, in Amerika ein Land ohne Antisemitismus zu treffen, wird bitter enttäuscht sein; wer mit der Überzeugung herkommt, daß die Gegnerschaft gegen die Juden im Grunde überall die gleiche sei und sich mit nur leichten Verschiedenheiten des Grades auswirke, wird seine Auffassung ebenfalls nicht bestätigt finden. Für den Einwanderer überraschend ist die Tatsache, daß die beruflichen Hindernisse für den Juden in der Privatindustrie und besonders im Bankwesen viel größer sind als im öffentlichen Dienst. Leider ist es überaus schwer, ein genaues, objektives Bild zu erhalten. Einmal gibt es neben der bewußten Benachteiligung von Juden eine unbewußte; mancher angelsächsische Arbeitgeber benachteiligt, auch wenn er nichts gegen Juden hat, unwillkürlich Bewerber, die nicht „like us" sind. Zweitens wird auch bewußte Diskrimination oft verschwiegen, weil man von so etwas nicht gern redet; das spielt in Amerika eine noch größere Rolle als in vielen anderen Ländern, denn es geht hier zwar im öffentlichen Leben lauter, aber im Privatleben (einschließlich der höheren Schichten des Berufslebens) leiser zu als meist anderswo. Eine der wenigen guten Quellen, eher zu pessimistisch als das Gegenteil, aber frei von jeder Absicht zu übertreiben, ist das kleine Schriftchen von J. X. Cohen, Jews, Jobs and Discrimination (Verlag des American Jewish Congress, New York). Diese kleine Schrift gibt z. B. folgende Zahlen für die Benachteiligung der Juden bei der Aufnahme in die Medical Schools in New York: Prozentsatz der Juden unter den Bewerbern 76o/o, unter den Aufgenommenen 46<>/o. Für den Lehrberuf in öffentlichen Schulen gibt der Bericht an, daß vor einer Reihe von Jahren bei einer Stichprobe unter 222 Kandidaten für die Lehrerlaubnis im Englischen sich etwa 75°/o Juden befanden. Der gleiche Prozentsatz habe sich für jene Kandidaten ergeben, die die schriftliche Prüfung bestanden hätten. Bei einer Reihe von weiteren Begutachtungen durch die Prüfungskommission, bei denen im Gegensatz zur schriftlichen Prüfung dem subjektiven Ermessen der Kommission weiter Spielraum gelassen worden sei, habe man den größten Teil der Kandidaten ausgeschieden; unter den 17 Zugelassenen seien nur 6 Juden gewesen. (Man muß sich 322