Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Das jüdische Buch
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 315 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jüdische Buch Der Sinn des Berufs ist für die innerjüdische Verlagsarbeit der gleiche geblieben; die Maßstäbe sind ganz verändert. Die Geschlossenheit des Wirkungsraums engt das Feld der Betätigung auf einen Bruchteil ein und schließt jeden besonderen Geschmack, jeden persönlichen Weg abseits der großen Heerstraße aus. Die Zahl der möglichen Käufer schmilzt zusammen. Der jetzige Umfang des jüdischen Verlagswesens kann die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der wenigen jüdischen Buchhandlungen nicht sicherstellen, und diese dringen nicht zu dem entfernteren Leser vor, welcher also Neuerscheinungen, die er gern kaufen würde, oft übersehen wird. Die Leistung der jüdischen Verlage als Ganzes ist angesichts dieser Umstände hoher Achtung wert. Ihre Spitzen — etwa die Schockeii-Bücherei, das Philo-Lexikon, der Peel-Bericht — dürfen sich jedem Vergleich aussetzen, weil sie «inem Bedürfnis mit raschem Wagemut entsprachen und dabei das Verhältnis von Ausstattung und Preis vorbildlich zu gestalten wußten. Beides war innerhalb des jüdischen Verlagswesens im engeren Sinne vor dem Umbruch selten. Initiative lag am ehesten bei den großen Organisationen; die Verlage bewegten sich etwas schläfrig in eingefahrenen Geleisen. Stefan Zweigs „Jeremias", Franz Rosenzweigs Jehuda Halevy-Übertragung, Bubers „Drei Reden über das Judentum" reizten keinen jüdischen Verleger, auch die ostjüdischen Erzähler setzten sich abseits der jüdischen Sphäre durch; ein tapferer und frischer, wenn auch einseitiger Versuch nach dem Kriege mußte wieder aufgegeben werden. Überblickt man die Leistung der einzelnen Verlage, so hat nur einer, unter günstigen Umständen, seine Arbeit vielseitig und methodisch ausgebaut, also ein Programm aufgestellt und weitgehend verwirklicht. Daß es sonst nicht geschah, liegt ebenso an den Verlagen wie am Publikum. Für das belehrende (wenn auch noch so unterhaltsame) jüdische Buch blieben nur wenig Lücken übrig; sie wurden meist auf mittlerem Niveau gefüllt. An reine Unterhaltungsliteratur aber traute man sich, solange eine Teilnahme an der der Umgebung möglich blieb, nicht recht heran. So entstand in der Leserschaft das Vorurteil, jüdische Literatur sei eine zwar gute, aber anstrengende Kost; die einzige Ausnahme davon, die schon im Titel Unterhaltung mit einem Versuch jüdischer Sinngebung verband, wurde ein Erfolg: Gerson Sterns „Weg ohne Ende". Man ging diesen aussichtsreichen Weg nicht weiter, ja der Verlag, der ihn begann, stellte seine Tätigkeit wieder ein. Eine andere Gründung, ins Leben gerufen unter Beteiligung der übrigen Verlage und der großen jüdischen Organi- 315