Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Das jüdische Buch
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jüdische Buch Nur kommt er selten zu diesem Stolz; er hat Sorgen. Die rohe Meinung ist geneigt, darin einen natürlichen Ausgleich für künftige Unsterblichkeit zu sehen. Wenn nun aber mit den Schriftstellern auch die Verleger und Buchhändler anfangen, ein bekümmertes Gesicht zu machen? Soll man sie als private Unternehmer, die Erfolg haben können und deshalb auch ein Risiko tragen müssen, ihrer eignen Geschicklichkeit und Tatkraft überlassen? Oder soll die jüdische Öffentlichkeit, der es nicht gleichgültig sein kann, was an Büchern ihr vorgesetzt wird, darauf ihren Einfluß geltend machen? Beides muß sich verbinden und kann es auch, wenn nur gleicherweise den geistigen Notwendigkeiten und den wirtschaftlichen Möglichkeiten Rechnung getragen wird. Worin besteht eigentlich das Wesen eines Verlags? Sehr einfach: man erwirbt ein Werk eines Schriftstellers, macht ein Buch daraus, verkauft es mit Gewinn und wiederholt dieses Verfahren öfters; der Erfolg hängt nur davon ab, ob das Buch richtig gewählt und richtig vertrieben wurde. Was ist aber das „richtige" Buch? Man hat Anhaltspunkte dafür: Zeitströmungen, die jeweils bestimmte Gattungen bevorzugen wie augenblicklich Biographien; alte Gewohnheiten wie die, Klassikerbände ungelesen in den Bücherschrank zu stellen; neue Bedürfnisse, z. B. den plötzlich ausgebrochenen Wunsch zu erfahren, was Judentum ist. Solche Überlegungen genügen dem täglichen Schlendrian; es sind Krücken, an denen der Hinkende gehen kann. Das wahre Verlegen ist, dem Schaffen des Künstlers verwandt, ein schöpferisches Erkennen von Bedürfnissen. Es gibt Zufallstreffer, doch auf die Dauer belohnt der Erfolg nur den Instinkt. Der geborene Verleger „setzt" auf ein Buch, auf die Fähigkeiten, Kenntnisse, auf die Gestaltungskraft dessen, der es schrieb. Es bleibt immer eine Art Lotterie mit manchen Nieten. Denn zu dem „richtig wählen" kommt auch noch das „richtig verkaufen". Er vertreibt solides Wissen oder luftige Phantasie; er hat den Punkt zu finden, der die Leser lockt, und wenn er lügt, glaubt man ihm das nächste Mal nicht mehr. Er wirbt am besten, wo er selbst gepackt ist, und wählt deshalb — die Qualität vorausgesetzt — nur was ihm liegt. Darum haben alle wirklichen Verlage ein Gesicht. Man braucht nur Namen wie S. Fischer, Georg Müller, Eugen Diederichs zu nennen, um die Vorstellung ganz bestimmter Arten von Büchern zu erwecken und deutlich zu machen, daß es für ein Buch wie für eine Frau den Rahmen gibt, worin sie am besten und vielleicht allein) zur Geltung kommen. 314