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Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 313

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Das jüdische Buch
Date
1937-11-01
Page
313 (sequence 1)
Language
German
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DER MORGEN / Monatsschrift der iuden in Deutschland BEGRÜNDET VON PROFESSOR DR. JULIUS GOLDSTEIN, DARMSTADT 13. JAHRGANG NOVEMBER 1937 HEFT 8 Das jüdische Buch Es ist ein Jahr her, daß in diesen Blättern eine Reihe jüdischer Dichter und Schriftsteller zur Frage der „Gegenwart und Zukunft der jüdischen Literatur" das Wort nahm. Damals stand Literatur als geistige Schöpfung zur Erörterung, begriffen zwar unter dem Gesichtswinkel der Zeit, doch abgelöst von der Bedingtheit ihrer Erscheinungsformen. Heute wendet der Blick sich einer andern Seite der gleichen Sache zu: dem Buch als sichtbarem Geist, als Kreuzung von Genie und Druckerschwärze, als Ware zwischen Bedarf und Angebot. Ein Buch ist ein Doppelwesen. Träger des Wortes, das von sich aus nur schwebender Klang wäre, verfliegender Hauch, verhallende Ohnmacht, doch an die Materie gebunden zum Sprengstoff wird oder zur Sonde, zur Fackel oder zur Scheuer, zu Brot oder zu Wein. Und dann wieder ist ein Buch eine Verbindung aus zwei Scheiben Pappe, soundsoviel Bogen Papier, Bindfaden und Leim, eine Ware, deren Preis aus Honorar und Material, Arbeitsstunden und Unkosten sehr genau zu errechnen ist, entstanden in der Zusammenarbeit von Verleger, Fabrikanten, Drucker, Buchbinder und Gebrauchsgraphiker, verkauft von Buchhändlern, versandt unter eignen Posttarifen, um Absatz werbend durch Besprechungen, Prospekte, Anzeigen, Plaklate, — kurz eine Ware, die einen beträchtlichen Teil der-Wirtschaft umtreibt, Betriebe mit Mieten und Steuern, Angestellten und Maschinen, Organisation und Verbänden. (Die Schriftsteller übrigens möchten gern auch von ihren Büchern leben.) Eigentlich könnte der Geist stolz darauf sein, wieviel Hände er, wird er erst einmal flügge, in Bewegung setzt. 313

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