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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 304

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Eine Märchennovelle zweier jüdisch-deutscher Erzählerinnen
Date
1937-10-01
Page
304 (sequence 3)
Language
German
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Erich Loewenthal als Gumprecht erklärt, er könne es sich leisten, die Tochter ohne jede Mitgift zu heiraten. Die baldige Hochzeit wird verabredet, und Gumprecht reist wieder nach Prag zurück. Nunmehr scheint die Geschichte eine tragische Wendung zu nehmen. Gumprecht hat einen Neider, einen vornehmen Herrn am Hofe des Kaisers, der ihm sein Glück nicht gönnt und ihn gern aus dem Wege schaffen möchte. Er geht mit Gumprecht eine Wette ein, deren Gegenstand die Treue der Braut des Juden ist. Wenn der Ritter es fertig bekommt, dem Juden die Braut abspenstig zu machen, soll es um das Leben des Juden geschehen sein, und umgekehrt, wenn der Ritter die Treue des Mädchens nicht wankend machen könne, solle der Ritter selbst das Leben verlieren. Da Gumprecht fest an das Mädchen glaubt, hat er keinen Grund, die Herausforderung nicht anzunehmen. Der Ritter bemüht sich nun, dem Mädchen nahezukommen, um seine Verführerkünste spielen zu lassen, aber ohne jeden Erfolg: sie ist so sittsam und zurückhaltend, daß der Ritter sie nicht einmal zu Gesicht bekommt. Da versucht er es, auf andere Weise die Wette zu gewinnen: durch Diebstahl gelangt er in den Besitz eines seidenen, Tuches, das Gumprecht seiner Braut zur Verlobung geschenkt hatte, und außerdem gelingt es ihm, durch zehn Dukaten die alte Sabbatfrau des Bunzlauer Juden zu bestechen, so daß sie, die das Mädchen bereits als ganz kleines Kind gekannt hat, ihm ein geheimes körperliches Merkmal der Braut verrät. Mit dem Tuch und mit diesem Wissen um ein Geheimnis erscheint er in Prag vor dem Hof des Kaisers und kann der Hofgesellschaft leicht einreden, daß es ihm gelungen sei, die Gunst der Judenbraut zu gewinnen. Fast scheint es um Gumprechts Leben geschehen zu sein. Da zeigt das Mädchen, daß es ihr auch an Mut und Klugheit nicht fehlt. Sie verkleidet sich und reist nach Prag. Sie sucht den Ritter vor der ganzen Hofgesellschaft auf und verfolgt ihn mit Anspielungen und Erzählungen über ihre vertrauten Beziehungen. Natürlich erkennt der Ritter sie nicht und ahnt auch nicht, wen er vor sich hat; vielmehr ist ihm das Auftreten des Mädchens, zu dem er angeblich in Beziehungen gestanden haben soll, außerordentlich peinlich, und er sucht sie sich dadurch vom Halse zu schaffen, daß er mehrmals vor Zeugen erklärt, er kenne diese Frau überhaupt nicht und habe sie bei seiner Ehre in seinem Leben nicht gesehen. Jetzt gibt die Jüdin sich zu erkennen und erklärt, sie sei das Bunzlauer Mädchen, deren Gunst sich der vornehme Herr zu Unrecht gerühmt habe. Es bleibt ihm nun nichts anderes übrig, als die von ihm versuchte Täuschung zuzugeben, seine Schuld einzugestehen und die Reinheit des Mädchens anzuerkennen. So hat er die Wette verloren und verliert seinen Kopf. Gumprecht aber feiert unter lebhafter Anteilnahme der Hofgesellschaft seine Hochzeit mit dem tugendhaften Mädchen, das den listigen Feind noch überlistet hat. Sie bekommen viel Gold und Silber geschenkt und dazu große Privilegien. Daraufhin wurden viel Juden nach Prag gezogen, eine große Gemeinde bildete sich. Mit der Aufnahme eines Rabbiners schließt die Erzählung. Wie diese knappe Wiedergabe ihres Inhalts zeigt, zerfällt sie deutlich in zwei Teile: erst die Erzählung, die dem Ganzen den nicht ganz passenden Titel gegeben hat, von den vier Prager Kaufleuten und dem von dreien von ihnen an dem vierten versuchten Betrüge, und dann die Geschichte von der Wette mit dem Ritter um die Treue der Braut. Die beiden Motive werden zusammengehalten durch die Persönlichkeit des klugen Talmudschülers sowie durch die ihm zufallende Gunst des nach Gerechtigkeit strebenden 304

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