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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 303

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Eine Märchennovelle zweier jüdisch-deutscher Erzählerinnen
Date
1937-10-01
Page
303 (sequence 2)
Language
German
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Eine Märchennovelle zweier jüdisch-deutscher Erzählerinnen Plan gefaßt: sie ziehen den Wirt ins Geheimnis, und die Aussicht auf den zu erwartenden großen. Gewinn und die scheinbare Unmöglichkeit einer Entdeckung veranlaßt diesen, treuloser Weise die Flasche zu öffnen, das Gold mit den drei Betrügern zu teilen, die Flasche dafür mit Wein zu füllen und dann wieder zu verschließen, als ob nichts geschehen wäre. Bald merkt der Jude den Betrug. Er läuft zum Kaiser, der sich gerade in Frankfurt aufhält, und bittet ihn, ihm wieder zu seinem Eigentum zu verhelfen. Der Fall erregt großes Aufsehen. Aber da der Kaufmann keinerlei Zeugen dafür hat, daß er dem Wirt eine mit Goldstücken gefüllte Flasche zur Aufbewahrung übergeben hat, und da die drei anderen Juden natürlich für den Wirt eintreten, kann der Kaiser dem Bestohlenen nicht helfen. Kurze Zeit später, als der Kaiser durch die Judengasse reitet, hört einer seiner Begleiter zufällig die laute Unterhaltung mehrerer Talmudschüler mit an, die gerade über den Prozeß des Prager Juden und den angeblichen Diebstahl des Goldes aus der Flasche eifrig debattieren. Einer der Talmudschüler erklärt dabei: „Wenn ich der Kaiser gewesen wäre, ich hätte die Sache ganz anders angefangen. Ich hätte erst einmal alle vier ins Gefängnis gesteckt, und dann hätte ich die zinnerne Flasche in zwei Teile hacken lassen. Wenn vorher Goldstücke drin gewesen sind, wird sich vielleicht noch eine Spur davon vorfinden." Dem Kaiser wird diese Äußerung berichtet. Er läßt nach dem Rate des Talmudschülers die Flasche gewaltsam öffnen, und man findet darin ein paar Goldstücke, die auf dem Boden der Flasche angeklebt waren. Jetzt werden die drei betrügerischen Kaufleute und der von ihnen verleitete Wirt hingerichtet, und der vierte Pländler erhält nicht nur sein Gold wieder, sondern ihm wird vom Kaiser noch obendrein das Vermögen der vier Bösewichte zugesprochen. Damit ist aber die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn der Kaiser kann sich nicht genug wundern über die Klugheit des jungen Taknudschülers, der zur Aufdeckung der sonst nicht zu klärenden Angelegenheit geführt hat. Er möchte Gumprecht, so heißt der „Bocher", nach seiner Stadt Prag ziehen, weil er sich große Vorteile davon verspricht. Es ist nicht ganz leicht, in der Frankfurter Judengasse den Jüngling zu finden, dessen gescheite Meinungsäußerung durch den Zufall von dem Herrn aus dem Gefolge des Kaisers mitangehört worden war; aber schließlich gelingt es doch, und Gumprecht übersiedelt mit seiner Familie nach Prag. Hier genießt er bald großes Ansehen. Da bittet er den Kaiser um die Erlaubnis, heiraten zu dürfen, und der Kaiser gestattet es ihm gern. Gumprecht hat von einem Juden in Bunzlau in Schlesien reden hören, der der Vater eines sehr frommen und tugendhaften Mädchens sei, das außer großer Schönheit auch über viele andere Vorzüge verfüge, besonders in weiblichen Handarbeiten große Fertigkeit besitze und dazu mehrere Musikinstrumente spielen könne. Ein solches Mädchen wäre eine Frau nach Gumprechts Herzen. Er reist nach Bunzlau und besucht den zukünftigen Schwiegervater, doch zunächst ohne sich zu erkennen zu geben, damit er unbefangen sich Vater und Tochter nähern könne. Da das Mädchen ihm ausnehmend gefällt, hält er um ihre Hand an, und der Vater ist über den wohlerzogenen und gelehrten Schwiegersohn hochbeglückt. Dann erst verrät Gumprecht, wer er ist, und nun kennt die Zufriedenheit des Vaters keine Grenzen, denn natürlich war Gumprechts Ruf schon längst nach Bunzlau gedrungen. Noch höher steigt die Begeisterung des Schwiegervaters, 303

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