Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1937)
- Article
- Der Peel-Bericht
- Date
- 1937-10-01
- Page
- 301 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895566-2895574-2907597--10118-2907652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Peel-Bericht für diesen Zustand liegen bereits im Mandat, das „kaum hätte besser ausgedacht sein können, als es ist, um die Völker voneinander getrennt zu halten", und, wie offen zugegeben wird, in der Verwaltungsform einer Kronkolonie, die gedacht ist für „politisch rückständige Rassen in der tropischen und subtropischen Welt", nicht aber für eine „hochgebildete, echt demokratische, politisch sehr interessierte und ungewöhnlich jugendliche Gemeinschaft" wie die jüdische in Papästina. Der Bericht hebt als schwerwiegende Folge davon, daß gerade in den lebenswichtigen Fragen der Regierung allein die Entscheidung zusteht, die Gefahr der Verantwortungslosigkeit hervor. Den eigentlichen Grund der Unruhen sieht die Kommission jedoch im Nebeneinander zweier praktisch unvereinbarer Nationalismen, des arabischen und des jüdischen, und dreier Regierungen, deren Charakteristik ein Meisterstück der Darstellung ist. Während Weizmann und seine Mitarbeiter als „Männer von Welt" bezeichnet werden, deren Vorschläge „eine eindrucksvolle Leistung" darstellen, „bezeichnend für die Rührigkeit und wissenschaftliche Höhe des Nationalheims", betont der Bericht die unautorisierte und unkontrollierte Macht des Mufti, der über mehr als hunderttausend Pfund religiöser Gelder verfügte, hebt dessen Antwort hervor, als ihm Englands feierliche Verpflichtung für das Mandat vorgehalten wurde: in vielen Fällen würden Verpflichtungen und Versprechungen nicht ausgeführt, und mißt ihm in wuchtiger dreimaliger Steigerung „seinen Anteil", seinen „gehörigen", seinen „vollen Anteil an der Verantwortung für die Unruhen" zu. Die jetzt durchgeführte Absetzung des Mufti als Haupt des moslemischen Oberrats entspricht also nur den Empfehlungen des Berichts, und auch dessen weitere Vorschläge außerhalb des Teilungsplans müssen daher sehr aufmerksam beachtet werden. Der Mandatsregierung gesteht die Kommission die besonderen Schwierigkeiten der Lage zu, billigt im ganzen die bisherige Politik des „unparteiischen Schiedsrichters" und auch die Taktik, die schwächere (arabische) Schale der Waage durch ihr eignes Gewicht zu verstärken, und hält doch mit mancherlei stiller und offener Kritik nicht zurück. In zwei wichtigen Punkten tritt der Bericht selbst dafür ein, die Vertretung der arabischen Sache besser zur Geltung zu bringen, indem sie den Juden eine internationell-arabische Agency mundgerecht zu machen sucht und die Schaffung einer englischen Universität im Vorderen Orient propagiert, die in erster Linie den Arabern zugute kommen würde. Auch die Empfehlung an die Mandatsregierung, im Gebirge, außer um Jerusalem herum, jüdische Bodenkäufe nicht zuzulassen, für die Einwanderung außer den bisherigen wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch politische und psychologische geltend zu machen und die Höchstzahl aller Kategorien, einschließlich der Kapitalisten, für die nächsten fünf Jahre auf jährlich 12 ooo Köpfe zu beschränken, trägt praktisch den arabischen Forderungen Rechnung. Andererseits werden eine ganze Anzahl jüdischer Beschwerden auf den verschiedensten Gebieten (z. B. Polizei, Vermessungswesen, Bodenrecht, Gerichtspraxis, kommunale Selbstverwaltung, Export) auch und gerade gegen die Regierung als berechtigt anerkannt. Das sind einige Punkte, die die Art des Berichts charakterisieren, doch seinen Umfang bei weitem nicht erschöpfen können. Niemand, der sich mit Palästina beschäftigt, kann an dem nach Gehalt und Form gleich großen Werk vorübergehen, und so wird immer wieder und auf lange 301