Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1937)
- Article
- Der Peel-Bericht
- Date
- 1937-10-01
- Page
- 300 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- IRI
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- Haifa 1× ep/1047930
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Hans Bach Das Material, das der Kommission vorlag, ist fast erdrückend; es wäre sehr verständlich, merkte man dem Bericht die Entstehung am grünen Tische an. Umso erstaunlicher, wie wenig bürokratisch, wie konkret er wirkt. Unter den Feierlichkeiten der Landung in Haifa bemerken die Mitglieder der Kommission, daß viele der lagernden Kisten Transitgut nacn Bagdad enthalten; als Beweis für die etwas mechanische Unparteilichkeit der Mandatsregierung führen sie an, daß die drei Autos für ihren persönlichen Gebrauch von einer moslemisch-arabischen, christlich-arabischen und jüdischen Firma gemietet wurden. Bei dem Besuch von Toscaninis Konzert vergleichen sie den Geist der benachbarten arabischen Altstadt mit der europäischen Kulturatmosphäre der jüdischen Einwanderer, und während sie Weizmanns Laboratorium in Rechowot besichtigen, wo man den Boden spektographisch analysiert, Viehkrankheiten zwecks Bekämpfung studiert, nikotinfreien Tabak züchtet, konzentrierte Fruchtsäfte unter Erhaltung des Aromas und des Vitamingehalts herstellt, Molken in Milchsäure und technische Eiweißstoffe in Futtermittel verwandelt, sehen sie gegenüber ein arabisches Dorf mit Esel und Kamel vor primitiven Pflügen, wasserlos, mit Dünger, der zur Feuerung benutzt wird, und finden den Abstand von Jahrhunderten zwischen „einer übermäßigen Armut und Unwissenheit, verbunden mit einem fast unterbewußten Wunsch, das Dorf in die Höhe zu bringen", und jenen „letzten Fortschritten der experimentellen Forschung". Der politische Standpunkt, den die Kommission einnimmt, ergibt sich aus zwei Stellen mit großer Deutlichkeit. Einerseits sieht sie einen Konflikt zwischen zwei gleichen Rechten: „Ein solcher Konflikt in einem Land, das drei Weltreligionen heilig ist, ... ist um so tragischer, weil es im Grunde ein Konflikt zwischen Recht und Recht ist, wiewohl in den jüngsten Unruhen die eine Seite sich, nicht zum ersten Male, ins Unrecht setzte, indem sie ihre Zuflucht zur Gewalt nahm, während die andere Seite sich geduldig ans Gesetz hielt." Während die Sympathie hier, in ruhiger Betrachtung, sich eher den Juden zuzuneigen scheint, ändert sich die Nuance, sobald die Frage des englischen Interesses hinzutritt: „Seit den frühesten Tagen der britischen Verbindung mit Indien und darüber hinaus ist der Friede im Vorderen Orient ein Fundamentalgrundsatz unserer (der englischen) Außenpolitik; und für die Aufrechterhaltung dieses Friedens kann die britische Politik eine fast ununterbrochene Kette von Freundschaft mit den Arabern aufzeigen. Es ist jetzt nicht weniger wünschenswert, als es immer gewesen ist, daß diese Freundschaft nicht verschlechtert werde. Andererseits ist es selbstverständlich im britischen Interesse, so weit wie möglich das Vertrauen des jüdischen Volkes, wo immer es lebt, zu behalten." Der Unterschied ist fein und doch merklich: das Gefühl ist etwas mehr auf Seiten der Juden, das Interesse Englands etwas stärker auf Seiten der Araber. Man muß sich dieses Unterschiedes bewußt bleiben, auch wenn, wie im Augenblick, sein Bestehen durch die Ereignisse scheinbar nicht bestätigt wird. Als Richtpunkt der Beurteilung dient der Begriff eines palästinensischen Staatsgefühls. Die Kommission untersucht, nennt und ermutigt alle Momente, die zu dessen Ausbildung führen können, doch kommt sie zu dem Ergebnis, die Idee einer kulturellen Angleichung zwischen Juden und Arabern sei ein „Hirngespinst", die palästinensische Staatsbürgerschaft „eine gesetzliche Formel ohne moralische Bedeutung". Voraussetzungen 300