Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 7 (Oktober 1937)
- Article
- Der Peel-Bericht
- Date
- 1937-10-01
- Page
- 302 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Erich Loewentkal hinaus davon die Rede sein. Der Tod des Robert Wellesley, Earl Peel, aus der Familie Wellingtons, hat seiner letzten Arbeit den Charakter eines Vermächtnisses an England gegeben. Mit diesem Land werden die Juden und, wenn jener Bericht dem Heiligen Lande Ruhe, Sicherheit und Aufbaumöglichkeiten zurückgibt, auch die Welt diesem wahrhaft vornehmen „Vetter und Ratgeber" des Königs von England dankbar sein. Erich Loewenthai: Eine Märchennovelle zweier jüdisch-deutscher Erzählerinnen Die jüdischen Erzählerinnen in deutscher Sprache, die, von Dorothea Schlegel angefangen, im 19. und 20. Jahrhundert literarisch tätig gewesen sind, haben um das Jahr 1700 in Prag zwei Vorgängerinnen gehabt, die in gemeinsamer schriftstellerischer Arbeit eine kleine Novelle verfaßten. Die beiden Frauen sind Bela Horwitz aus Wien, die den bei der Vertreibung der Juden aus Wien um das Jahr 1670 nach Prag geflüchteten Josef ben Chajim Chasan heiratete und auch ein Gebetbuch und eine Übersetzung der „Geschichte des Hauses David" verfaßte, und Rachel Rausnitz, die die Frau des Lob Porges in Prag wurde. Sie schrieben in der unter den dortigen Juden damals allein üblichen jüdisch-deutschen Sprache, die mit vielen hebräischen Worten untermischt war, und natürlich mit hebräischen Buchstaben „Eine schöne Maaße mit vier Sauchrim in Prag", d. h. „eine schöne Geschichte von vier Prager Kaufleuten", in der sie — natürlich ganz unhistorisch — die Gründung der Prager jüdischen Gemeinde verherrlichen wollten. Die Erzählung hat mit der Gattung des Märchens sehr nahe Berührungen und ist deshalb am ehesten als „Märchennovelle'* zu bezeichnen. „Eine Geschichte ist geschehen in Prag", so beginnen die zwei Frauen ihr Büchlein, „bevor noch Juden drin gesessen sind", d.h. bevor es noch eine jüdische Gemeinde dort gab. Da lebten in Prag nur vier jüdische Kaufleute. Drei von ihnen besuchten regelmäßig die Frankfurter Messe, um Ware einzukaufen; der vierte blieb in Prag, kaufte von den drei anderen alles Schöne und Kostbare, was sie aus Frankfurt am Main mitbrachten, und verkaufte es mit Gewinn weiter. Da auch der Kaiser zu dessen Kunden gehörte und sein Beispiel ermunternd auf seine Umgebung wirkte, war dieser vierte Händler bald zu großem Wohlstand und Reichtum gekommen. Da überlegte er sich, wieviel vorteilhafter es für ihn wäre, wenn "er nicht wie gewöhnlich ruhig in Prag sitzen bliebe und abwartete, was die andern ihm aus Frankfurt an Handelsgut mitbrächten, sondern wenn er selbst mit zur nächsten Messe reiste. So geschieht es denn auch: Als wieder die Messezeit herannaht, begleitet er die drei Kollegen nach Frankfurt; dabei nimmt er den größten Teil seines Vermögens in Golds lücken mit und tut sie vorsichtigerweise in eine Flasche aus Zinn. Nun fällt aber den drei Gefährten auf, mit welcher Ängstlichkeit er die scheinbar so wertlose Flasche hütet, und sie kommen leicht auf die Vermutung, es müsse mit ihr eine besondere Bewandtnis haben. Ihre Annahme wird bestärkt, als nach der Ankunft in Frankfurt ihr Begleiter die Flasche dem Wirt des Gasthofs, in dem sie abgestiegen sind, zur Aufbewahrung übergibt und ihm besonders anempfiehlt, ja ein wachsames Auge auf sie zu haben. So ist ihr 302