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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Der Schuhkarton
Date
1937-10-01
Page
296 (sequence 4)
Language
German
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Mala Laaser wie er da so sitzt, knickend, schwankend, murmelnd, blaß, weiß ich auch schon den treffendsten Namen für ihn. „Sind Sie der Erfinder dieses Untiers?", frag' ich kurz, mit einem Blick auf den Ichthyosaurus. Er nickt ein paarmal; nun bin ich wieder nervös, weil ihm beim Nicken der Kopf seltsamerweise nicht nach vorne knickt. „Also sind Sie Kunstgew erbler?" Jetzt schüttelt er den Kopf, mitten im Schütteln knickt er nach vorn. Ich kenne die Gesetze nicht, nach denen dieser Mensch zusammenknickt. Es müssen aber grausame Gesetze sein. Ich sehe hier bewußt zum erstenmal in meinem Leben das Gesetz in einem Menschen wirken. Es ist ein qualvoller Anblick: der wehrlose Mensch, haltlos und schwankend, und das sinnlos-sinnvolle Gesetz des Elends, das, unsichtbar, den dürren Leib regiert. „Ich bin nicht Kunstgewerbler", sagt der Kleine. „Ich bin stellenlos — Bürovorsteher. Ich bettle nicht, gestatten Sie, ich möchte —." Knick. Großer Gott im Himmel, du hast uns Menschen gemacht, daß wir aufrecht gehen und uns halten sollen, — warum knickst du diesen kleinen Juden so? „Wieviel kostet dieses Untier, Mayerlein?" Knick. „Keiner kauft mir etwas ab; alle halten mich für einen Bettler." Knick. „Mayerlein, sei nicht so stolz" — knick —, „wieviel kostet denn dein Untier?" — Nichts; mit Gottes Hilfe sitzt der Kopf jetzt fest „Eine Mark und 75 — liebe Dame — gute Dame—" Knick. Mayerlein, ich hab' doch gar kein Geld, Mayerlein. Jaköppchen will zwei Mark fünfzig. Lise kommt zum Mittagbrot. Mayerlein, was soll ich bloß machen? — Knick. Großer Gott im Himmel, warum hast du so ein armes Luder aus mir gemacht? Vielleicht geschieht ein Wunder. — Schließlich hat ein Mensch ja auch noch gute Freunde. Die guten Freunde sind niemals zuhause; wenn man schreibt, sind sie verreist, geht man hin, macht niemand auf. Nur wenn man anruft, sind sie zu sprechen. Sie beginnen jeden Satz mit den Worten: „Ach du Armes, das tut mir leid —" und schließen: „Andermal von Herzen gerne." Knick. — „Mayerlein, haben Sie heut schon einen verkauft?" — Knick. — „Nein." Lieber Gott im Himmel, du hast mein Herz nicht gut ge-t macht. Für die Zukunft möchte ich empfehlen, Granit für Herzen zu verwenden. — Knick. — „Also Mayerlein, in — Teufelsnamen, ich kaufe Ihren Ichthyosaurus. Sie brauchen sich nicht zu bedanken, ich schenke Ihnen ja doch nichts. So. Und nun geb' ich Ihnen noch ein paar Adressen von guten Freunden. Da gehen Sie hin, richten Grüße von mir aus und sagen: 'Liebe 296

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