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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 280

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Das Ende der Bünde
Date
1937-10-01
Page
280 (sequence 8)
Language
German
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Günter Friedländer besser gehen würde, als mit alledem. Er als Bürger hat es ja nicht mehr brauchen können, was sollen Bauern und Handwerker damit anfangen? So verzichtet man, hat nicht den Mut, seine versinkende Wertewelt zu verteidigen, sie der neu entstehenden gegenüber zu stellen. In den meisten Elternhäusern lassen ja auch Not und Sorge überhaupt keine Zeit mehr für eine ernsthafte Erziehung, der Jugendliche wird durch den zu frühen Eintritt in das Berufsleben — meist im Alter von vierzehn bis fünfzehn Jahren — an das Erwachsenenleben gekettet, und so ist denn Jugend das Zwischenleben im Zwischenreich der Erwachsenen geworden. Ob die Bünde, die während einer kurzen Zeit unzweifelhaft der Erziehungsplatz der großen Mehrheit der jüdischen Jugend waren, angesichts aller dieser ihrem Einfluß entzogenen Entwicklungstendenzen ihren Zusammenbruch hätten aufhalten oder vermeiden können, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Jedenfalls ist der Nimbus, der die Bünde umgab, zerstört, und die Austrittsbewegung wird so schnell nicht zum Stillstand kommen. Das wäre hinzunehmen, wenn es sich dabei nur um den Niedergang von Organisationen handelte. Aber es geht nicht um die Bünde, sondern um den jüdischen Jugendlichen, dessen Erziehung so gefährdet ist wie in den letzten Jahren noch nie. Man steht vor einer neuen Situation, und somit ist eine Bestandsaufnahme der übrigen heute noch erziehungsfähigen Faktoren am Platze. Es sind noch drei große Institutionen, die die erzieherischen Aufgaben an der jüdischen Jugend zu erfüllen haben: Da ist zunächst der Sportverein. Es ist kein Wort mehr über den unabschätzbaren Wert körperlicher Ertüchtigung zu verlieren. Was man dem Sport verdankt, wird erst in späteren Jahren ganz ermessen werden können, wenn die sportlich erzogenen Menschen sich bewährt haben. Aber pädagogisch läßt der Sportverein — um es milde zu sagen — viele Probleme offen. Der Ton, der oft unter Sportlern herrscht, ist nicht der Ton, den ein Erzieher sich für Jugendliche wünscht; die Gefahrenquelle, die hier liegt, darf nicht übersehen werden. Der Sportverein kann nicht mehr als sportliche Erziehung gewähren; was an charakterlicher Formung vielleicht hier und dort als Ergebnis sportlichen Geistes erzielt wird, trägt im besten Falle zusätzlichen Charakter. Die Struktur der Sportverbände, das vorhandene Menschenmaterial läßt mehr nicht zu. Man hat stets mehr gewollt, aber, unabhängig von der Weltanschauung, es bei beiden großen Verbänden nicht erreicht. Der Sportverein wird eine wichtige Ergänzung zur Erziehung des Jugendlichen bleiben, mehr nicht. Ein weiterer Erziehungsfaktor ist die jüdische Schule. Was hier geleistet worden ist, übersteigt wohl alle Erwartungen, mit 280

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