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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 281

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Das Ende der Bünde
Date
1937-10-01
Page
281 (sequence 9)
Language
German
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Das Ende der Bünde denen selbst die Gutgläubigsten an das jüdische Schulwerk herangingen. So viel auch noch zu tun bleibt, so kann man doch mit großer Genugtuung feststellen, daß allgemein eine große Schulfreudigkeit herrscht. Immer wieder hört man, daß die Jugendlichen die Schule nur ungern verlassen, und meistens, weil sie mit echter Freude in die Schule gingen. Die Jugendpflege steht erst am Beginn einer ausgedehnteren Wirksamkeit. Sie hat bisher nur Kreise erfaßt, bei denen sie aus sozialen Gründen eingreifen mußte. Daß dies auf die Dauer nicht der Maßstab bleiben kann, wird allgemein erkannt. Unter diese Institutionen also wird heute das Erbe der Bünde aufgeteilt Die Aufgaben, die nicht eigentlich die ihren waren und die sie nur übernehmen mußten, weil es noch keine dafür geeigneten anderen Organisationen gab, fallen an die inzwischen ausgebauten zentralen Stellen: Berufsum- und Einschichtung an die Reichsvertretung und die von ihr beauftragten Gliederungen, die geistig-seelische Einordnung der „neuen" Juden an die Schulen, die körperliche Ertüchtigung an die Sportverbände. Die eigentlichen erzieherischen Aufgaben der Charakterformung und der Freizeitgestaltung liegen den Schulen und der Jugendpflege ob. Noch haben sie die Lücke kaum auszufüllen begonnen, noch ist die Masse der jüdischen Jugendlichen unerfäßt. Dieser Zustand birgt die Gefahr der Verwilderung in sich, vor der nicht eindringlich genug gewarnt werden kann. Es ist die Gefahr, die uns im Augenblick von innen her bedroht. Was ist hier zu tun? In dem Maße, wie die gestaltende Kraft der Bünde abnimmt, wächst die Notwendigkeit, diese Lücke durch den Ausbau der Jugendpflege zu füllen. Das bedingt eine veränderte Haltung der Gemeinden, die die charakterliche Seite der Jugenderziehung bisher mit Recht durch Elternhaus, Bund und Schule gesichert glaubten. Konnte die Jugendpflege ihre Fürsorge bisher auf den zahlenmäßig geringen Teil der sozial gefährdeten Jugend beschränken, so müssen nun, wenn fast die ganze Jugend zu betreuen ist, Inhalt und Form der Erziehung eine grundlegende Änderung erfahren. Damit wird die Frage eines jüdischen Bildungsprogramms und einer jüdischen Erziehungslehre so dringlich, wie sie es bisher nie war. Die erforderlichen Menschen werden größtenteils aus den Bünden zu gewinnen sein. Die Mittel solcher Erziehung sind ihrem ganzen Umfang nach noch gar nicht zu übersehen; der Neubau der Jugendpflege könnte zu neuen — wenigstens im jüdischen Bereich neuen — Einrichtungen führen. Kann die jüdische Jugendbewegung die Aufgabe, ihre absterbenden Formen in neue und zukunftsreiche überzuführen, noch selbst in die Hand nehmen, so mag selbst das Ende der Bünde ihren Sieg besiegeln, — den Sieg einer Idee über die Wechselfälle der Zeit. 281

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