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Der Morgen · 1937-10-01 · Heft 7 (Oktober 1937) · p. 277

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 7 (Oktober 1937)
Article
Das Ende der Bünde
Date
1937-10-01
Page
277 (sequence 5)
Language
German
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Das Ende der Bünde kürzester Zeit entweder die ihnen anvertraute Gruppe als solche — und das ist der günstige Fall — oder aber sich selbst. Bei den nachdrängenden Massen der Jugendlichen verwässerte entweder die Bundesidee zu einer allgemeinen Sehnsucht nach kameradschaftlichem Zusammenschluß im Dienste irgendeiner, gleichgültig welcher Sache, oder sie war gar nicht mehr vorhanden. Die Zugehörigkeit zum Bund sicherte einen Platz auf der Hachscharah oder im Landschulheim, bevorzugte Berücksichtigung bei der Verteilung von Zertifikaten und andere Vergünstigungen. Viele Eltern erhofften sogar, wenn sie ihre Kinder in Bünde schickten, für sich die Chance, einmal angefordert, nachgerufen zu werden in das Land, in das der Bund dem Kind den Weg ebnen sollte. Der Bund wurde mehr und mehr zur Zukunftsversicherung. Welches nun auch der Antrieb der Menschen war: der Idealismus der alten Jugendbewegung oder nur ein guter Gruppenbetrieb oder aber wirtschaftliche Sicherung — in keiner Hinsicht konnten die Bünde, die in breitester Öffentlichkeit um Vertrauen geworben hatten, dem Vertrauen entsprechen. Es war nicht ihre Schuld, es war die Schuld der Verhältnisse, zu deren Bewältigung sie nicht taugten. Aber das Ergebnis ist, daß die in ihren Erwartungen enttäuschten Menschen die Bünde nun wieder verlassen. Die Krise der Bünde ist eine Vertrauenskrise. Aber man darf sich mit dieser Feststellung nicht begnügen. Die Lage erfordert, daß man unverzüglich an die Prüfung der Frage geht: Was soll nun werden? Die Bünde sahen ihre Hauptaufgabe in der Erziehung des jungen Menschen in der Reifezeit, deren Kennzeichen die Spannung ist, die der junge Mensch zwischen sich und der Welt empfindet. Diese Spannung fruchtbar zu machen, alle nur möglichen guten Kräfte aus ihr zu lösen, dem Jugendlichen zu helfen, daß er die sich ergebenden Konflikte ehrlich und gerade besteht, ihn dabei aber so ernst zu nehmen, als sei er kein Jugendlicher mehr, sondern ein vollgültiger Mensch wie jeder Erwachsene, — das war die große pädagogische Aufgabe und — trotz mancher Übertreibungen — auch die große und bisher unerreichte Leistung der Bünde. Da das innere Erleben in der Reifezeit nun aber im wesentlichen von den äußeren Erlebnissen in dieser Zeit abhängt, versuchte man in erster Linie, den jungen Menschen das ihnen gemäße Erlebnis zu geben und ihn unter ihm gemäße Lebensgesetze zu stellen. So wurden die Grenzen und das Gebiet des „Jugendlandes" errichtet. Es ist völlig falsch, dieses Jugendland als romantisch und deshalb nutzlos oder gar gefährlich zu verketzern. Es war gut, weil es jugendgemäß war, und 277

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