Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1937)
- Article
- Alvaro Mendez - Herzog von Mytilene
- Date
- 1937-09-01
- Page
- 245 (sequence 5)
- Language
- German
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Alvaro Mendez — Herzog von Mytilene Der Name Mendez war unter den spanischen und portugiesischen Juden sehr häufig, so daß eine verwandtschaftliche Beziehung des Alvaro zu dem großen Handels- und Bankhaus Mendez nicht notwendig angenommen zu werden braucht. Die Lebensunistände Alvaros lassen sie sogar als fast ausgeschlossen erscheinen. Er ist 1520 in der portugiesischen Stadt Tavirat geboren. Als junger Mensch ging er nach Indien, wo es ihm in kurzer Zeit gelang, ein riesiges Vermögen zu erwerben. Es war die Zeit der ersten stürmischen kolonialen Wirtschaftsentfaltung, die alles, was einer mit einigermaßen geschickten Händen angriff, zu Gold werden ließ. Nach Lissabon zurückgekehrt knüpfte Alvaro Mendez neue oder alte Verbindungen mit dem Hof an und machte sich diesem nützlich. Mit welchem Erfolg, beweist die Tatsache, daß ihn der König Joao (Johann) III. zum „Ritter von Santiago" machte. Meist findet man nun Alvaro auf europäischen Reisen. Bald taucht er in Rom, in Venedig, in Paris auf. Was er auf diesen Reisen machte, ob Geschäfte oder Politik oder beides zugleich, ist nicht geklärt. Auch ist nichts darüber bekannt, wie zuhause und auf Reisen seine Beziehungen zum Judentum gewesen sind. Er galt als ein Günstling des Königs, und die Inquisition scheint sich mit ihm nicht befaßt zu haben. Hingegen liegt die Vermutung nahe, daß Alvaro Mendez schon frühzeitig Verbindung mit Josef Nassi aufgenommen hat, was immerhin Schlüsse auf seine religiöse und politische Einstellung zuläßt. Jedenfalls taucht er eines Tages auch in Konstantinopel auf, um ... es nicht mehr zu verlassen. Hier bekennt er sich offen zum Judentum und nennt sich von nun an Salomo Aben- Ajisch. Der „Ritter von Santiago" ist nicht mehr! Er hat den Hidalgo-Mantel abgeworfen und sich aller Welt als Juden gezeigt. Ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie die Marranen des sechzehnten Jahrhunderts immer wieder ihre Zeitgenossen verblüfft haben. Nachdem aus dem portugiesischen Edelmann der „Portoguese" geworden war, widmete er sich in enger Verbindung mit Josef Nassi der türkischen Politik und wurde, wie dieser, eine prominente Figur am türkischen Hof. Was alles er versucht und erreicht hat, werden wir gleich sehen. Es lag auf anderm Weg als die Wirksamkeit des Herzogs von Naxos und war vielleicht noch wichtiger als diese. Der Sultan erkannte das an, indem er Alvaro zum Herzog von Mytilene, der Hauptstadt der Insel Lesbos, machte. Die Marranenpolitik des Westens Es ist geradezu eine Anomalie der Geschichte, daß das elisabethanische England (die Königin kam 1558, also fünf Jahre 245