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Der Morgen · 1937-09-01 · Heft 6 (September 1937) · p. 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 6 (September 1937)
Article
Ein verlorener Bruderstamm?
Date
1937-09-01
Page
240 (sequence 6)
Language
German
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Meto Brinkmann: Ein verlorener Bruderstamm? hin- und herwogender kleiner semitischer Stämme, alle miteinander verwandt, alle fast eine Sprache redend. Israel erwuchs erst auf kanaänitischem Boden zur Nation und ist ja, wie die jerobeamische Teilung erweist, eigentlich nie eine einheitliche Nation gewesen. Vorher gab es nur eine Kultgemeinschaft religiös noch schwankender Nomadenstämme. So loderte schon lange, ehe ein jüdisches Volk sich gefunden hatte, das heilige Feuer der mosaischen Religion. Einer dieser Stämme sind — so müssen wir annehmen — die Amai gewesen. Die Massai entstanden, wie man nach ethnologischen Erfahrungen folgern muß, aus der Bezwingung irgendeines Negervolkes durch die südwärts ziehenden siegreichen Amai. Anfänglich mögen dann die noch unvermischten Amai die Aristokratie über der unterjochten Helotenmasse gebildet haben. Es ist das Schicksal solcher Aristokratien, im Laufe des somatischen und kulturellen Verschmelzungsprozesses in der Masse der Unterworfenen aufzugehen. Aber was sie an kulturellen Gütern mitbrachten, das verschwindet fast nie. So sind nicht nur religiöse Vorstellungen, sondern auch Sitten und Gebräuche bei den Massai heimisch, die wohl dem Kultkreise um die Stiftshütte entstammten. Sie schlachten keine weiblichen Tiere, sie üben die Beschneidung, sie halten sich für das auserwählte Volk des Ng ai. Der Verschmelzungsprozeß muß in einem nördlicheren Gebiete stattgefunden haben als Ost-Afrika, denn über das Erscheinen der Massai in Ost-Afrika sind wir historisch unterrichtet. Mag es im Sudan oder in Abessinien gewesen sein, von dort aus wanderten die Urmassai, das Verschmelzungsvolk aus Amai und Negern, in drei Schüben, die Jahrhunderte auseinanderliegen, in ihre heutige ostafrikanische Heimat. Der erste Schub, die el dorobbo, besiegte eine ostafrikanische Urbevölkerung aus dem Stamme der Bantuneger, vertrieb sie und herrschte eine Zeitlang unangefochten. Sie sind heute in den Stammresten der Asa und der el gaturek erhalten und werden von den umwohnenden Bantus verballhornisiert Wan dorobbo genannt. Die Wandorobbo ihrerseits wurden von einem zweiten Ur-Massai-Schub, den Wakuafi, also von Verwandten, verdrängt und teils vernichtet, teils assimiliert, teils in wenigen ungünstigen Siedlungsgebieten ungeschoren gelassen. Diese Wakuafi waren nun die Herren des Landes, bis im 18. Jahrhundert der dritte Trupp, die eigentlichen Massai erschienen. Das ganze Jahrhundert hindurch gingen die Kämpfe, immer neue Heerhaufen und Teilstämme der eigentlichen Massai kamen nach Ostafrika, schließlich unterlagen die Wakuafi. Der dritte Schub ist heute als die Aristokratie des Landes zu bezeichnen. 240

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