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Der Morgen · 1937-09-01 · Heft 6 (September 1937) · p. 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 6 (September 1937)
Article
Ein verlorener Bruderstamm?
Date
1937-09-01
Page
239 (sequence 5)
Language
German
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Ein verlorener Bruderstamm? lieferung vor? Bietet nicht auch der Name Eramram, der Stotterer, die Erklärung des Namens Amram? Marumi war ein frommer Mann, ein Sternkundiger, der die kommende Witterung voraussah. Eines Tages rief ihn Ng ai auf den heiligen Berg. Eines Tages hörte man auf dem Berge des Ng ai, auf dem ol donjo geri (wörtlich: der gefleckte Berg), Sturmbrausen und Rufe und dann aus einer Wolke an der Spitze des Berges die Worte erschallen: Ng ai hat mich gesandt, den Massai zehn Dinge zu sagen. Das erste Gebot heißt: Es gibt nur einen Gott. Alle anderen Gebote entsprechen, wenn auch nicht in der Reihenfolge, dem jüdischen Sittengesetz. Aus der Fülle der Opfervorschriften und der uns vertraut anmutenden rituellen Gebräuche ist die Vorschrift erwähnenswert, daß man am Neumondstage des siebenten Monats das Fest kitok n olon essubate gefeiert werden solle, zu dem auf Antilopenhörnern gerufen wird: Damit ist, wenn der Nissan als erster Monat gilt, Rosch haschana bestimmt. Im übrigen gilt das Gesetz, daß an jedem siebenten Tag, dem essubat n olon, Unterricht sein soll. Dieser kleine Auszug aus den religiösen Überlieferungen des Massaivolkes bietet eine solche Fülle von Parallelen zur Heiligen Schrift, daß jede Erklärung dieses Phänomens zur historischen Theorie werden muß. Dabei gilt es drei Punkte miteinander zu verknüpfen: die Überlieferung der Massai selbst, das historische Wissen über sie und die historische Theorie über den Zustand der Semitenstämme auf der Sinaihalbinsel vor der Eroberung Kanaans durch die Israeliten. Die Massai erzählen, gewissermaßen als Erinnerung aus ihrer Urgeschichte, daß früher das ganze Volk Amai hieß. Es spaltete sich während der Regierungszeit des ol oiboni kesigierischi. Ein Teil zog nach Süden. Die Zurückgebliebenen hießen el amoroi (Amoriter?). Unter den Amoroi lebte ein einflußreicher Mann ol eberet, der das Geschlecht der el eberet (Hebräer?) gründete. Merker nimmt diese Sage ohne weiteres als geschichtliche Tatsache und meint, daß die Amai als direkte Vorfahren der Massai den Israeliten ihre Religion, also- Teile der Bibel, und den Babyloniern mindestens religiöse Motive und damit etwa das Gilgamesch-Epos geschenkt hätten. . Und zwar müsse das im 5. Jahrtausend, nämlich vor der Abwanderung, geschehen sein. Da wir aus unserem heutigen Wissen über die Chronologie der Bronzezeit erschlossen haben, daß die Abwanderung der Amai erst im 2. Jahrtausend geschehen sein kann, so muß sich uns das Bild anders darstellen: In der Mitte des 2. Jahrtausends gab es auf der Landbrücke zwischen Afrika und Asien eine große Zahl 239

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