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Der Morgen · 1937-09-01 · Heft 6 (September 1937) · p. 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 6 (September 1937)
Article
Ein verlorener Bruderstamm?
Date
1937-09-01
Page
238 (sequence 4)
Language
German
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M eta. Brinkman n Kultur aufs äußerste gegen das neue Material gewehrt haben, das sie allein durch seine stoffliche Überlegenheit am Leben bedrohte. Ein Gebot der Massai, das Merker mitteilt, scheint darauf hinzuweisen, daß es sich bei Ablehnung der Schmiede, moralisch verbrämt, auch um die Ablehnung des neuen Kulturmaterials handelt: Wenn ihr mit den el meg (den Ungläubigen) in Streit geratet, so sollt ihr nur mit Stöcken schlagen oder mit Pfeilen ohne Eisenspitze schießen; ihr sollt dabei kein Messer gebrauchen; denn Ng ai hat verboten, daß ihr einen Menschen tötet. Diese Überlegung gibt einen chronologischen Hinweis. Die Bronzezeit muß angebrochen sein, ehe sich der fragliche Urstamm absonderte, wenn der Begriff Schmied in der gemeinsamen Urüberlieferung vorkommt. Und da nach den neuen Untersuchungen auch für Ägypten die Bronzezeit frühestens um das Jahr 2000 v. Chr. begann, so muß eine etwaige Absonderung in das zweite Jahrtausend fallen, nicht, wie Merker meint, in das fünfte. Nun die Massaiüberlieferung über die Sintflut: Lemanjan zeugte den Learin. Der zeugte den Tumbainot. Zu dessen Zeit war die Erde schon bevölkert, aber die Menschen waren schlecht. Drum beschloß Ng ai, sie zu vernichten. Nur der fromme Tumbainot hatte Gnade vor Ng ai gefunden. Ng ai befahl ihm, eine Hütte aus Holz zu bauen und mit seinen zwei Frauen, seinen selehs Söhnen und deren Frauen hineinzugehen, sowie einige Tiere von jeder Art mit hineinzunehmen. Dann ließ Ng ai es lange und heftig regnen, so daß eine große Überschwemmung entstand und alle Menschen und Tiere ertranken. Tumbainot wollte sich über den Stand des Wassers unterrichten. Er ließ daher eine Taube fliegen. Einige Tage später ließ er einen Aasgeier fliegen. Beim Verlassen des Kastens gewahrte Tumbainot einen Regenbogen am Himmel, einen in jeder Richtung. Dies galt ihm als Zeichen dafür, daß Ng ai nicht mehr zürne. In großen Zügen so viele Gleichheiten zur biblischen und zur babylonischen Sintflutgeschichte, daß eine Abhängigkeit voneinander offenbar, in kleinen Zügen soviel Abweichungen, daß eine Beeinflussung durch Missionare ausgeschlossen ist. Den wichtigsten Vergleich bietet die Darstellung Moses und der Sinai-Gesetzgebung: Es lebte ein Mann namens Geraine vom Geschlechte der el marumai. Er entstammte einer Familie, in der das Stottern erblich war. Deshalb hatte er den Beinamen Eramram, der .Stotterer. Er heiratete die Lanja, die ihm drei Kinder gebar, die Knaben Marumi und Labot und die Tochter Meria. Von diesen stotterte nur der Älteste. Man vergleiche: Moses Vater heißt Amram. Von dessen Sohn Aron heißt es Exodus 4. Kap., eigentlich völlig sinnlos, daß er nicht stotterte. Später wird dann von Moses berichtet, daß er stotterte. Liegt hier vielleicht in der Massaivariante von der erblichen Stotterkrankheit der Familie die ältere Form der Über- 238

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