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Der Morgen · 1937-09-01 · Heft 6 (September 1937) · p. 229

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 6 (September 1937)
Article
Dogmen im Judentum?
Date
1937-09-01
Page
229 (sequence 2)
Language
German
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Alexander Altmann: Dogmen im Judentum? kommentar, Einleitung zu Sanh. X) erscheint zwar stark abgeschliffen und popularisiert, aber im wesentlichen bewahrt. Hier liegt in der Tat der Versuch einer jüdischen Dogmatik vor. Alle Elemente des Dogmas sind versammelt: die exakte Formulierung, die Bekenntnishaltung des Individuums — das Ich der Einzelseele spricht —, schließlich (an der Originalstelle) der Vermerk, daß jeder Leugner einer dieser dreizehn Grundlehren sich außerhalb der jüdischen Gemeinschaft stelle. Der dogmatische Versuch des Rambam hat gewiß seine Vorläufer (R. Chananel, Abraham ibn Daud, die Karäer), aber eine Diskussion hat sich erst an dieses autoritäre Unternehmen geknüpft. Greifen wir aus dem Gang der mittelalterlichen Diskussion den wichtigen und durchgearbeiteten Standpunkt des R. Josef Albo (Sefer ha-Ikkarim) heraus, so zeigt sich, daß die Erörterung des Problems sich von der Problemstellung des Rambam weit entfernt hatte. Maimonides hatte gefragt: Welche Glaubensvorstellungen sind für das jüdische Bewußtsein unabdingbar, unerläßlich? Für ihn hatte die Dogmenfrage einen klaren pädagogischen Sinn, seine beschreibende Inventaraufnahme der jüdischen Glaubensvorstellungen in ihrer denkerisch gereinigten Form ist geschichtlich gewachsen. Josef Albo nun stellt die ganz andere Frage: Welche religiösen Gedanken sind grundlegend, sind Prinzipien des jüdischen Glaubensgebäudes? Welche denkerischen Voraussetzungen sind das Fundament der jüdischen Glaubenswelt? Es geht hier nicht mehr um die Bestandsaufnahme der jüdischen Glaubenswirklichkeit, sondern um die Erarbeitung einer Axiomatik der jüdischen Geisteswelt. Von hier aus wird verständlich, daß Josef Albo ein so wichtiges Stück des jüdisch-religiösen Bewußtseins wie den Glauben an das Kommen des Maschiach als „Ikkar", also als Axiom des Judentums preisgab. Gewiß glaubte er an das Kommen des Maschiach und hielt diesen Glauben für unerläßlich: aber eben nicht als „Ikkar", sondern als prophetische Verheißung. Es darf darauf hingewiesen werden, daß im IQ. Jahrhundert der große Halachist R. Mosche Sofer (Chatam Sofer) in seinem Responsenwerk (zu Jore Dea § 356) von einer anderen Denkebene her den gleichen Gedanken ausgesprochen hat: selbst wenn das jüdische Volk auf ewig in die Galut geschickt worden wäre und keine prophetische Verheißung das Kommen des Erlösers gesichert hätte, bliebe der Sinn des Judentums, d. h. die Verpflichtung auf den Bund und das Gesetz unaufhebbar und unantastbar. Albo würde sagen: Der Messianismus hat keine axiomatische Geltung im Judentum, ist kein Grundsatz seines Glaubens. Es kann nicht zweifelhaft sein, von welchen Motiven dieser Standpunkt Albos geleitet ist. Wir befinden uns in der Zeit 229

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