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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 217

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Die "Stromliniensynagoge"
Date
1937-08-01
Page
217 (sequence 2)
Language
German
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Gemeinden im Haag und in Amsterdam. Hier herrscht ein mehr „konservativer" Liberalismus, gemäß der Zusammensetzung der zu 8O0/0 aus Deutschland stammenden Gemeindemitglieder. Dort — im Haag — ist ein „liberalerer" Gottesdienst geschaffen worden, gemäß den kirchlichen Formen und Auffassungen in England und besonders in USA. Doch handelt es sich nicht nur um die auf die Ausgestaltung des Gottesdienstes bezüglichen Fragen wie Kopfbedeckung oder Umfang der Gebete in der Landessprache; es geht um mehr, nämlich um die Wichtigkeit von „ersten oder letzten Fragen" im religiösen Liberalismus, wie Swarsensky-Berlin es genannt hat. „Stromlinien-Synagoge" kann hier symbolisch bedeuten: religiöses Judentum, betrachtet von den Erfordernissen der Umwelt aus — ein Judentum, das sich wie ein Auto der herrschenden Windrichtung anpaßt, um möglichst wenig Widerstand zu leisten, das sich bewährt im Maße seiner Zweckmäßigkeit im Windhauch oder auch Sturm des Geschehens der Welt. Wissen um die jüdische Religion und die jüdische Gemeinschaft, und damit Sinngebung und Ausgestaltung der jüdischen Gemeinde als lehrender, betender und sozial tätiger Gemeinschaft, das bedeuten uns „erste" Fragen, um deren Klärung sich das liberale Judentum überall in der Welt bekümmern sollte. So sprach der Redner aus Deutschland zu dem Thema der Tagung, und andere junge Vertreter des religiösen Liberalismus aus Deutschland (Kellermann, Steuer) waren es, die die im Vorjahr in London aufgeworfenen Fragen wieder aufnahmen, um deren Klärung der jüdische Religionsliberalismus sich im Zeichen der jüdischen Wanderung von „Gemeinde zu Gemeinde" besonders bemühen muß. Noch sind ja die Unterschiede so groß, daß den Wandernden an seinem Ziele oft ganz ungewohnte Formen der religiösen Übung erwarten. In USA z. B. dienen die Synagogen ausschließlich dem Gottesdienst, daneben aber würde es gut sein, wenn das Gemeindeleben das „social life" nicht nur im gesellschaftlichen, sondern auch im sozialen Sinne umfassend einbezöge. Das Problem wurde grell beleuchtet, als der Rabbiner aus Detroit (USA) auf das Fehlen der arbeitenden Bevölkerung in den amerikanischen liberalen Gemeinden hinweis, die übrigens auch wegen ihrer gesellschaftlichen Schichtung zu den sozialen Fragen der Zeit keine Stellung zu nehmen wagen. Sind das nicht „erste" Fragen? Besondere Anteilnahme fand der Bericht, daß die Bildung der religiös-liberalen Gemeinden in Palästina durch die Intensivierung der Erwachsenenbildung gefördert wird und daß dort ein teilweise noch ungestillter Hunger nach Büchern bestehe (der „Morgen" ist hierbei wiederholt erwähnt worden). Man sieht also, daß der religiöse Liberalismus überall in der- Welt Ansatzpunkte für jüdisches Gemeinschaftsleben bietet. Nur müßte er von seinen Menschen noch mehr fordern. Deshalb und nur so darf als äußeres gemeinsames Opferzeichen der religiösliberalen Juden in der Welt die Einführung einer „Teruma" angesehen werden. 217

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