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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Die "Stromliniensynagoge"
Date
1937-08-01
Page
216 (sequence 1)
Language
German
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Die „ Stromliniensynagoge " Betraditangen anläßlich der vierten Tagung der World Union for Progressive Judaism Dem „Verband religiös-liberaler Juden in den Niederlanden" war die Durchführung des vierten Kongresses der World Union for Progressive Judaism in diesem Jahre übertragen worden. Der größte Teil der Veranstaltungen wurde in Amsterdam in der neuen Synagoge der religiös-liberalen Gemeinde durchgeführt, der einer der angelsächsischen Rabbiner die Bezeichnung „stream-lined Synagogue" gegeben hat. Mochte dies eine witzige Randbemerkung sein oder nicht — diese Art der Betrachtung des neuen Gotteshauses, um das in Amsterdam ein Kampf entbrannt ist, gibt zum Nachdenken Anlaß. Wenn Steine reden könnten, so müßte auch in Amsterdam eine Verständigung zu erreichen sein. Das neue Gebäude, das in zweckmäßiger Anordnung Licht und Ton zu möglichst großer Harmonie zu vereinen sucht, liegt gegenüber der Diamantschleiferei, die dem Präsidenten der großen Amsterdamer Gemeinde gehört Die hier tonangebende Orthodoxie hat der jungen liberalen Gemeinde den Kampf angesagt, weil sie den Frieden im jüdischen Leben störe. Ist es möglich, daß Juden, die religiös-liberal zu ihrem Gott beten, den Frieden stören? Ist nicht ein jüdisches Gotteshaus jedem Juden ein Bethaus, ja sogar ein Bethaus „für alle Völker"? Die World Union hat wiederholt ausdrücklich erklärt, nicht gegen die Orthodoxie gerichtet, sondern um die Gewinnung der abseits stehenden, von der Orthodoxie nicht erfaßten Juden bemüht zu sein. Claude Montefiore sagt in einer Botschaft an den Kongreß: „Nicht einen Augenblick würden wir jene, die ehrliche und aufrechte Anhänger sind, wegziehen wollen von ihrem Glauben, jene, die Stärke und Idealismus aus ihrer Lehre und deren Gebräuchen ziehen. .. Wir sind aber überzeugt, daß eine der Ursachen der augenblicklichen religiösen Indifferenz und Lauheit für viele Juden gerade in der Unmöglichkeit liegt, die gesamten Gesetze und Gebräuche des orthodoxen Judentums anzunehmen. .Daß auch gegen den Zionismus seitens des religiös-liberalen Judentums kein Kampf geführt werde, wurde erneut in Amsterdam festgestellt. Die World Union hat religiöse Aufgaben, die die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation weder ausschließen noch bedingen. Wollte man aufgrund der Amsterdamer Tagung eine Bilanz der Situation ziehen, in der sich der religiöse Liberalismus in der Welt befindet, so müßte sie feststeilen, daß eine Scheidungslinie mitten durch ihn hindurchführt: eine amerikanisch - englische Richtung und eine, die sich um die jüdischen Liberalen aus Deutschland gruppiert. „Stream-Lined Synagogue" — das. ist die Frage, um die es geht. Es beginnt die Fragestellung schon in den Niederlanden selbst, in der Unterschiedlichkeit der liberalen 216

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