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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Maestro Calo
Date
1937-08-01
Page
213 (sequence 3)
Language
German
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Maestro Calo Lateinische. Daß diese Übersetzung, deren Handschrift sich in der Vatikanischen Bibliothek befindet, unvollendet blieb und wir seit dieser Zeit nichts mehr von Kalonymos hören, läßt auf seinen Tod im besten Mannesalter schließen. Kalonymos' schriftstellerisches Werk umfaßt Übersetzungen philosophischer, naturwissenschaftlicher, mathematischer und medizinischer Werke, seine eigenen Schöpfungen, mit denen er sich in der literarischwissenschaftlichen Welt einen Namen gemacht hat, sind, von der polemischen Schrift gegen den Bibelexegeten Josef Kaspi abgesehen, die satirische Dichtung „Ewen Bochan" (Stein der Prüfung) und seine Parodie „Massechet Purim" (Purimtraktat). Vielleicht hat er noch andere Werke verfaßt, die verloren gegangen sind; es ist bekannt, daß er außerordentlich schnell arbeitete. Besondere Bedeutung kommt Kalonymos zunächst als Übersetzer zu. Moritz Steinschneider hat die Rolle der Juden als Dolmetscher arabischen Kulturguts für den Aufbau des mittelalterlichen Geisteslebens in Europa aufgezeigt. Unter ihnen nimmt Kalonymos ben Kalonymos als Vermittler arabischer und griechischer Philosophie einen ersten Platz ein; die Wissenschaft verdankt ihm die Übersetzung der Werke des Ibn Roschd, bekannt unter dem Namen Averroes, eines der bedeutendsten arabischen Philosophen des Mittelalters und von großem Einfluß auch für die jüdische und christliche Philosophie. Averroes, von Dante Alighieri in dessen Göttlicher Komödie verewigt, war der berühmte Deuter und Ausleger des Aristoteles. Sein dreifacher Aristoteles,-Kommentar wurde von Kalonymos ins Hebräische und aus dem Hebräischen von andern Übersetzern ins Lateinische übertragen. Nur die oben erwähnte Widerlegung der Angriffe Gazalis auf die griechische Philosophie, ein Werk, das den Kern der Weltanschauung des Averroes enthält, übersetzte Kalonymos unmittelbar ins Lateinische. Dem Meister Aristoteles folgten auch jene mohammedanischen Gelehrten, die sich im zehnten Jahrhundert in Basra zu einer „Gemeinschaft der lauteren Brüder" zusammengeschlossen hatten. Eine der Abhandlungen, worin sie ihre Lehren niederlegten — sie handelt von den Arten der Tiere und ihrem Bau — kleidet ein Streitgespräch zwischen Mensch und Tier in das bunte Gewand eines orientalischen Märchens xind hält zugleich den Zeitgenossen jener Gelehrten mit bitterer Ironie und beißender Satire einen Sittenspiegel vor. Die Tiere beraten sich und entsenden ihre Boten zu der großen Versammlung, wo sie mit den Menschenkindern aller Sprachen und Religionen zusammenkommen und vor den Richtern des Königs alle ihre Vorzüge und preiswürdigen Eigenschaften beleuchten; die Menschen treten mit der Behauptung auf, daß ihnen die Herrschaft über die Tiere gebühre, doch die Tiere widerlegen sie, der Mensch unterliegt in diesem Wortstreit und rettet sich nur durch seine Unsterblichkeit (d. h. Sittlichkeit und Religion) aus der Niederlage. Die kleine Schrift gehört zu den köstlichsten philosophischen Erzählungen, die die Phantasie des Orients erfunden hat. In der Übersetzung und Bearbeitung des Kalonymos ist das Märchen unter dem Titel ,,Iggeret Baale Chajim" Gemeingut der neuhebräischen Literatur geworden, von Julius Landsberger auch ins Deutsche übertragen. Kalonymos selbst hat durch diese arabische Dichtung die erste literarische Anregung zu seinem „Ewen Bochan" erhalten. 213

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