Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1937)
- Article
- Maestro Calo
- Date
- 1937-08-01
- Page
- 212 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Felix Falk Tode Karls II. zur Regierung berufen wurde. Auch der König war wie Kalonymos in der Provence aufgewachsen und durfte sich einer ausgebreiteten Bildung rühmen: in scholastischen Predigten und feierlichen Ansprachen bei besonderen Gelegenheiten nahm er zu den theologischen Zeitfragen Stellung, setzte sich in einer Staatsschrift über das Kaisertum auseinander, bewies große Teilnahme für die durch die Scholastik neubeleble griechische Philosophie und ebenso für die jüdische Literatur. Nicht umsonst rühmte Petrarca ihn als Mäzen, denn der König beschäftigte viele Gelehrte, Araber wie Juden, die für ihn aus dem Griechischen, aus dem Arabischen und Hebräischen in die lateinische Sprache übersetzten und Werke aus fremden Sprachen abschrieben. So war auch der Ruf von den sprachlichen Kenntnissen des jungen Kalonymos — denn dieser hatte bereits eine Reihe philosophischer Werke aus dem Arabischen übersetzt — an den Hof von Avignon gedrungen. In Arles und Avignon war er für König Robert als Übersetzer tätig, und bald sandte dieser ihn mit neuen literarischen Aufträgen nach Rom. Der genaue Zeitpunkt dieser Romreise ist nicht bekannt, doch deuten verschiedene Umstände darauf hin, daß sie bald nach i32 2 ausgeführt wurde, als ' Kalonymos bereits seinen „Ewen Bochan" gedichtet hatte. Er war also in der Provence noch Zeuge des Blutbades, das in den Jahren i320 und 1S21 die grausamen Verfolgungen des sogenannten Hirtenkreuzzuges und das Aussätzigengemetzel unter den Juden Frankreichs anrichtete, und seine Feder hat diese geschichtlichen Ereignisse in einer erschütternden Schilderung für alle Zeit festgehalten. In Rom begrüßte den jungen Gelehrten und Dichter der neue Geist der Renaissance, der in dem Wiederaufleben von Kunst und Wissenschaften seinen Ausdruck fand und von dem auch die Juden der römischen Gemeinde nicht unbeeinflußt blieben. Zu ihren führenden Persönlichkeiten gehörte der Dichter, Arzt und Bibelexeget Immanuel ben Salomo Romi, gewöhnlich Manoello genannt. In herzlicher Freundschaft nahm er sich des um zweiundzwanzig Jahre jüngeren Kalonymos an; das Wenige, das wir über Kalonymos überhaupt wissen, verdanken wir seinen Aufzeichnungen. In seinen gesammelten Dichtungen „Machberot" preist er Kalonymos als großen Gelehrten von rührender Bescheidenheit, der die verschiedensten Gebiete der Wissenschaft beherrsche, als einen geschickten Übersetzer und als Meister der Dichtkunst. Zugleich lobt er seinen Mut, mit dem er jeder Zeit für seine bedrängten Glaubensgenossen eintrete. Daß der Umgang mit einem so geistreichen Manne, wie es der zum Freundeskreise Dantes zählende Manoello war, auch auf die schriftstellerische Entwicklung des Kalonymos nicht ohne Einfluß blieb, können wir aus dessen in Rom entstandenem parodistischen Purimtraktat feststellen. Ein Brief aus der Provence, der Kalonymos in Familienangelegenheiten nach Hause zurückrief, zwang ihn, den römischen Aufenthalt vorzeitig abzubrechen; doch hatte er den literarischen Aufträgen seines königlichen Herrn entsprochen. Über Katalonien zog der nun Vierzigjährige der Heimat zu, und wir finden ihn bald wieder in seiner Geburtsstadt Arles. Hier übersetzte er für König Robert eines der wichtigsten philosophischen Werke des Averroes, dessen Widerlegung der Streitschrift des Gazali gegen die Philosophen, aus dem Arabischen ins 212