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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Maestro Calo
Date
1937-08-01
Page
211 (sequence 1)
Language
German
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Felix Falk: Maestro Calo Ein Gedenkblatt zur 650. Wiederkehr seines Geburtstages ,,Buon giorno, Maestro Calo", so begrüßte man den Provencalen Kalonymos ben Kalonymos, wenn er an der Seite seines Freundes, des hebräischen Dichters Manoello, durch die Straßen des mittelalterlichen Roms schritt. Man schätzte und ehrte im Kreise der jüdischen Gemeinde und darüber hinaus den Fremden, dem der Ruf eines Gelehrten und Dichters vorausging und der mit einem Empfehlungsschreiben des Königs Robert von Neapel um das Jahr i32 2 nach Rom gekommen war. Die Provence, deren Helden- und Rittersagen die europäische Literatur befruchtet haben und deren schöne, sanfte Landschaft wie aus den Bildern van Goghs und anderer Künstler kennen, war seine Heimat. Dort, an der Spitze des Pdionedeltas, in dem Städtchen Arles mit seiner berühmten Kathedrale und dem römischen Amphitheater stand das Häuschen, in dem Kalonymos im Jahre 1287 das Licht der Welt erblickte. Arles hatte in der jüdischen Wissenschaft durch die Höhe der philosophischen Studien, denen man sich dort hingab, einen bedeutenden Namen. Doch war Kalonymos' Jugend bereits von den Schatten jenes Religionsstreites verdüstert, der zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts die frommen Gemüter erhitzte über die Frage, ob die Bibel nur wörtlich oder auch philosophisch-symbolisch auszulegen sei. Über seine äußeren Lebensumstände sind wir meist auf mittelbare Zeugnisse angewiesen. Nur aus seinem Hauptwerk erfahren wir, daß er kein Sonntagskind war, wie wir zu sagen pflegen, daß ihm als Jüngling der Jugend heiterer Glanz gefehlt hat und er im Mannesaltex die mannigfachen Bürden des Lebens ertragen mußte. Sein Vater, der den Titel eines „Naßi" trug, gab ihm eine ausgezeichnete Erziehung. Die Grundlagen bildeten die jüdischen Wissenschaften, zu denen sich eine gediegene Ausbildung in den Sprachen gesellte. Von weiteren Wissensstoffen pflegte er Philosophie und Medizin, doch ist nicht erwiesen, ob er die letztgenannte auch beruflich ausgeübt hat. Jedenfalls kann die Übersetzung eines medizinischen Werkes des arabischen Arztes Ali Ibn Ridhwan als die erste literarische Arbeit des Kalonymos ben Kalonymos betrachtet werden. Er vollendete sie i3o6, im Alter von neunzehn Jahren, in demselben Jahr, da Philipp der Schöne von Frankreich die Juden verhaften ließ. Auf seiner Wanderung kam Kalonymos auch nach Katalonien, und hier muß er sich bald sehr einflußreiche Freunde und Gönner erworben haben, deren Andenken er später durch die Widmung seines „Ewen Bochan" so würdig zu ehren wußte. Von großer Bedeutung für sein ferneres Leben wurde die Verbindung mit König Robert von Neapel, die um das Jahr i3i4 in Avignon begonnen haben muß. In Avignon dichtete damals Petrarca, und dort hielt der König Hof, seitdem er im Frühjahr i3oo, beim 211

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