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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 204

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Ueber die "Kina"
Date
1937-08-01
Page
204 (sequence 7)
Language
German
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Fritz Aronstein keine Frage mehr laut wird und jeder Zweifel, jedes Aufbegehren einmündet in die letzte Gewißheit dieser Antwort, die, unfaßbar, weit entfernt aus einer andern Welt tönt und doch nahe ist. Ihre geschichtliche Begründung findet sie in dem Satze der „Sprüche der Väter": „Mosche empfing Weisung vom Sinai und überlieferte sie Jehoschua, und Jehoschua den Alten,- und die Alten den Kündern, und die Künder überlieferten sie den Männern der großen Versammlung" (Pirke Awot I, 1, in der Übersetzung von Martin Buber), wobei das deutsche Wort „Weisung" dem hebräischen Tora entspricht. Vom Sinai her wurde das Wort weitergeleitet bis zu den Männern der großen Versammlung, von denen sich jede spätere Überlieferung auf geradem Wege ableitet. Diese grundsätzlich geschichtlich begründete Realität ist aber im Leben wiederum völlig ungeschichtlich und unlogisch, „denn — so sagt Franz Rosenzweig — ein Wunder ist keine Geschichte, ein Volk keine Rechtstatsache, Blutzeugentum kein Rechenexempel und Liebe nicht sozial." Einer dieser logischen Widersprüche ist der gläubig-frohe Ausruf, den Rabbi Jehuda Hanassi dem Rabbi Chijja als Losungswort —. ssimna, Zeichen — aufgab (Talmud Rosen Haschana 25a) und der sich bis heute in den Gebeten und dem Leben des Volkes erhalten hat: c-pi n bvner -frn tn „David, König Jisraels, lebt und besteht". Der Spruch redet von der lebendigen Wirklichkeit des Königs David, proklamiert ihn immer von neuem zum König über Jisrael, als wenn nicht geschrieben stände: „David legte sich bei seinen Vätern hin und wurde in der Davidstadt begraben" (1. Kön. 2, 10). Das Gefühl, das sich bis zu einer durch nichts zu widerlegenden Gewißheit steigert* empfindet David als Lebenden und mit ihm sein Volk: darum müssen jene Worte, die von dem Sproß Davids sprechen, irgendwo Wahrheit werden. Jeder Zweifel, jedes nichthörende Fragen ist von der Urantwort des ICH her beantwortet mit dem inhaltlich an den Satz vom König David anknüpfenden „Für Zion kommt ein Löser" (Jes. 59, 20), der noch heute in den Gebeten steht. In der ältesten Geschichte unseres Volkes ist es Abraham, der, ohne zu wissen warum und wohin, dem Befehl „Geh du aus deinem Land" (Gen. 12,1) folgt und dem das Wort „in das Land, das ich dich schauen lassen werde" genug ist. Ihm war als erstem die Gewißheit, welche die Späteren in eine vielleicht weite Zukunft projiziert trugen. Von dort her ist es zu verstehen, daß immer und immer wieder, wenn die Spannung zu groß wurde, wenn Menschen glaubten, das Warten nicht noch länger ertragen zu können, die Hoffnung eine Verwirklichung in der Zeit fand — ein Irrweg, der sich aber legitim ableitete von der 204

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