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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 200

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Ueber die "Kina"
Date
1937-08-01
Page
200 (sequence 3)
Language
German
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Fritz Aronstein Ton sich in Bitternis verkehren. So sieht Arnos das Klagelied einst zum Volksgesang werden, zum Ausdruck derer, die nicht mehr singen können von der Welt und ihrer Schönheit. Im vorletzten Kapitel der Bibel, im zweiten Buche der Chronik, jst noch einmal von Kinot die Rede: die Klage Jirmejahus um Joschia wird zur Satzung in Jisrael gegeben — in den Kinot ist sie aufgeschrieben ad hajom, bis auf diesen Tag (2. Chron. 35, 25). Immer, wenn wegen einer Bedrängnis geklagt und geweint wird, soll man Joschias gedenken; „wie am 9. Aw, wo man Kinot sagt über die, welche in den Verhängnissen unserer Tage getötet wurden, so soll man auch über den Todestag des Joschia weinen" (Raschi zur Stelle). Wir dürfen uns aber nicht nur an das eine hebräische Wort halten, das den Stamm Kin (qin) enthält, denn dann fiele das Buch der Klagelieder weg, das Buch, das mit dem schmerzlich-klagenden Ausruf Echa beginnt und um Jerusalem und Zion klagt, die Stadt, die nun einsam, zerstört, verlassen von allem Volke liegt Jirmejahu wird dieses Buch schon in der ältesten Tradition (in den Übersetzungen — Targum und Septuaginta —, den Meforschim und im Talmud) zugeschrieben, ihm, der den Untergang immer wieder angedroht hat und dann gewaltsam nach Ägypten mitgeführt wurde, um dort — so wird später erzählt — vom Volke, den Juden, getötet zu werden. Klage und Trauer ist das Buch Echa, das alljährlich im eintönigen Klagerhythmus von den Juden in der Welt gesungen wird. Es weint um den Tempel und um das Volk, und wurde so Richtbild für die späteren Klagelieder. Denn was galt es sonst in aller Bedrängnis zu beklagen: den Tempel und die Stadt — und dann das Volk und sein Schicksal. Echa — wie viele Lieder beginnen so, erfüllt vom Leid der Jahrhunderte; wie viele, die mit diesem Worte beginnen, ertönen traurig-niederdrückend und entmutigend am 9. Aw, dem Tage der Zerstörung beider Tempel. In dem einleitenden, langhingezogenen Worte klingt der Schmerz, den die Welt nicht erschöpfen kann und der weitergegeben wird in alle scheinbare Ruhe und Sicherheit vorübergehender Zeiten. — Dieses Buch, das wir heute nur mehr mit seinem Anfangsworte bezeichnen, wurde früher in der jüdischen Literatur auch als „Kinot" bezeichnet, und man sah in ihm den Inbegriff aller Klage, die von Jirmejahu, dem klagenden Propheten, ihren Ausgang nahm. So wurde die Kina im Anschluß an das biblische Buch Echa zum Ausdruck der nationalen Dichtung der Juden in der Gola, und den Geist von Jahrhunderten der Zerstreuung gibt sie wieder. Es ist kennzeichnend für sie wie für die jüdische Dichtung überhaupt, daß sie weitgehend aus biblischen Worten und Wortzusammenhängen besteht, dabei aber doch völlig eigen- 200

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