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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 194

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Die Lage der jüdischen Jugend
Date
1937-08-01
Page
194 (sequence 3)
Language
German
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Hans Weil (Recco) allen diesen Wünschen entsprochen würde. Die Schwierigkeit liegt tiefer. Zeit und Mittel für eine echte Ausbildung der Jugend fehlen; man weiß nicht, was werden soll, und will deshalb das, was im Augenblick das Allernötigste zu sein scheint, noch eben tun. Man hofft, gesunde Kinder würden das andere, was man mit einem praktischen Lernstoff sich nicht ohne weiteres aneignen kann, selber finden und ihr Leben mit Gottes Hilfe und eigner Kraft bestehen. Betrachtet man demgegenüber die jüdische Jugend selbst, so wird trotz aller Verschiedenheit ihrer Art, ihrer Wünsche und Arbeitsweise deutlich, daß die echte und zentrale Lebensgrundlage nicht so gefestigt und selbstverständlich ist, wie die meisten Eltern es sich wünschen. Von der Vielfalt des Möglichen sollen zwei entgegengesetzte Jugendcharaktere beispielhaft gezeichnet werden, aus denen einiges über die innere Lage unserer Jugend und die Aufgabe ihrer Erziehung zu ersehen ist. Die eine Art der Jugend fügt sich mit ihren Freundschaften in mehr oder minder bündische Arbeits- und Vorbereitungsgemeinschaften ein und richtet ihre Wünsche nach irgendwelchen religiösen oder kulturellen Programmen. Diese Wunschprojektionen entbehren, wie so oft in der Jugend, meist aller Realisierbarkeit. Von der Jugend her gesehen ist das nicht einmal ein Fehler. Programme werden gemacht, um von allen Beschwernissen der Zukunftsungewißheit abzusehen und in Gedanken und Idealen eine erträumte Zukunft zu leben. Der andere Typus der jungen Juden tritt nach außen hin wenig in Erscheinung und gibt doch so manchen Eltern Anlaß zu großen Sorgen. Es ist der Junge, der zwar arbeitet und lernt, aber ohne große Energie, nur so nebenher, dem das Arbeiten und Lernen sehr viel Mühe macht, gerade weil er nicht oder noch nicht weiß, wozu es ihm einmal dienen wird. Dies sind die jungen Menschen, die, auch wenn sie miteinander sind, ängstlich vermeiden, überhaupt von einem Beruf oder von der Zukunft zu sprechen; es ist die Jugend, die kaum an irgendwelchen kulturellen Arbeiten teilnimmt, eine Jugend, die gerade darum so schwer für irgendeinen Beruf vorzubereiten ist, weil man bei ihr „keine ausgesprochenen Interessen" findet. Es scheint oft so, als genieße sie jeden schönen ihr noch als Jugend, geschenkten Tag und wolle durch das gute Zureden der Erwachsenen nicht an die Ungewißheit und die Schwere der Zukunft erinnert werden, sondern nur im Tag und für den Tag existieren. Diese beiden Typen vor allem sind es, um die sich die jüdischen Pädagogen von heute zu bemühen haben, denen zu helfen ihre schwere, aber mögliche Aufgabe ist. Denn Pädagogen dürfen sich nicht darauf beschränken, der Jugend lediglich Wissen zu übermitteln. 194

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