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Der Morgen · 1937-08-01 · Heft 5 (August 1937) · p. 191

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 5 (August 1937)
Article
Minoritätenproblem und Teilungsplan
Date
1937-08-01
Page
191 (sequence 7)
Language
German
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Minoritätenproblem und Teilungsplan befriedigend zu lösen. In der Türkei dagegen kann man noch immer, fast anderthalb Jahrzehnte nach dem Bevölkerungsaustausch, von den Türken selbst hören, daß seit dem Fortzug der Griechen dieser oder jener Wirtschaftszweig darniederliegt. Glücklicher als die humanitären und wirtschaftlichen waren die politischen Folgen des „echange obligatoire". Zwar fehlte es nicht an pessimistischen Stimmen, die prophezeiten, daß die wechselseitige Aussiedlung die Spannungen zwischen den beiden Ländern erhöhen würde. Das Gegenteil jedoch trat ein. Griechenland und die Türkei, noch nach dem Weltkrieg in einen erbitterten zweiten Krieg verwickelt, liquidierten nach gegenseitiger Entlastung von ihren Minderheiten die Vergangenheit. Im Frühjahr 1930 erklärte Venizelos die Türkei öffentlich für friedfertig, im März des gleichen Jahres nahm der türkische Gesandte in Athen an der griechischen Unabhängigkeitsfeier teil und im Juni endlich schlössen beide Staaten einen Freundschafts - vertrag, in dessen Präambel es heißt: Griechenland und die Türkei seien „gleicherweise von dem Wunsche beseelt, endgültig („definitivement") alle Fragen zu liquidieren", die sich aus dem Bevölkerungsaustausch ergeben haben. V. Vergleicht man die griechisch-türkische Frage mit Palästina, so ist zu sagen: Das humanitäre Argument, das gegen jeden Bevölkerungsaustausch spricht, besteht auch im jüdisch-arabischen Falle in seiner ganzen Schwere. Immerhin sind einige Abweichungen von dem Lausanner Experiment nicht zu verkennen. Einmal wären in Palästina die für einen Austausch in Frage kommenden Bevölkerungsteile zahlenmäßig wesentlich geringer als in dem Präzedenzfall. Sodann würde durch einen solchen Austausch jede Gruppe in Verhältnisse überführt werden, die von denen der Herkunftsländer nicht wesentlich abweichen. Und schließlich ermöglichen die geringen räumlichen Dimensionen des Landes ein relativ glattes Funktionieren der Emigrationsdurchführung, während im griechisch-türkischen Falle die Weite der Entfernungen und die Notwendigkeit des Seewegs erhebliche Erschwerungen darstellten. Die wirtschaftliche Seite des Problems dürfte in Palästina wesentlich von dem Vorbild abweichen. Denn die Lücke, die in dem Judenstaat durch den Wegzug der arabischen Bevölkerung entstünde, könnte in kürzester Zeit von den Juden besetzt werden, die in den Ländern akuter Judennot auf ihre Einwanderung warten. Eine andere Frage freilich ist, ob auch der arabische Staat den ausgetauschten Bevölkerungsteil absorbieren kann. Wege dazu sind im Peel-Bericht vorgesehen. 191

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