Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1937)
- Article
- Minoritätenproblem und Teilungsplan
- Date
- 1937-08-01
- Page
- 192 (sequence 8)
- Language
- German
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Hans Weil (Recco) Was schließlich die politischen Folgen anlangt, so ist, wie das Lausanner Beispiel gezeigt hat, mit dem Bevölkerungsaustausch eine Verstärkung der außenpolitischen Spannungen keineswegs notwendig verknüpft. Es erscheint im Gegenteil durchaus nicht ausgeschlossen, daß eine radikale nationalpolitische Lösung weniger starke Reibungen erzeugt als die wechselseitige chronische Belastung mit Minderheiten. Andererseits ist freilich nicht zu verkennen, daß die Herausnahme jüdischer Bevölkerungsteile aus dem arabischen Sektor einem Verzicht auf die jüdische Pionierarbeit gleichkäme. VI. So viele Aspekte, so viele Fragen, und die Fülle der Probleme ließe sich noch vermehren. Die bisherige Übersicht mag jedoch genügen. Im ganzen gesehen ist das Minoritätenproblem im Rahmen des Peel-Berichts eine Frage von sekundärem Rang. Damit soll zwar seine Bedeutung nicht verkleinert werden, aber im Vordergrund jeder Erörterung muß logischerweise die Kardinalfrage nach der prinzipiellen Haltung zu dem Gesamtprojekt stehen. Erst von der Beantwortung dieser Frage wird es abhängen, welcher Weg bei der Lösung des Minoritätenproblems zu gehen ist. Hans Weil (Recco): Die Lage der jüdischen Jagend pädagogisch betrachtet So sehr wir alle wissen, daß unsere Jugend unsere Zukunft bedeutet und daß sie als unsere Zukunft Gefahren ausgesetzt ist, so sind doch unsere Gedanken um die Jugend oft mehr Ausdruck unserer eigenen Wünsche und Bedürfnisse, als daß wir immer die Fähigkeit und die Kraft hätten, die Jugend so zu sehen, wie sie auf eine Förderung zu ihrer Kraft, zu ihrer Zukunft hin gesehen werden müßte. Das ist kein Vorwurf. Jeder Mensch denkt gut und richtig, wenn er von seinem Standort aus mit seinen Forderungen und seinen Überzeugungen an alles in der Welt herantritt, auch an die Jugend, und es wäre falsch, wenn wir unsere Stellung aufgeben und uns so aufführen würden, als wären wir selbst die Jugend, als fühlten" wir so wie sie, als könnten wir unsere eigenen Erfahrungen vergessen. Der Vater, der das äußere Leben seiner Kinder aufbauen helfen will und dabei auch an die Sicherung seines eigenen Alters denkt, hat recht und braucht seinen Gedankengang nicht etwa zu verheimlichen. 192