Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1937)
- Article
- Weltausstellung 1937
- Date
- 1937-07-01
- Page
- 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Weltausstellung 1937 Naturschätze und ihrer Ausbeutung; wenige ausgewählte Industrieerzeugnisse; Sport, Erziehung, Fremdenverkehr; endlich, als Hauptmasse, alles was den Schmuck des Daseins ausmacht: Möbel, Arbeiten in Edelmetall, Porzellan und Keramik, Kleider, Spitzen, Bücher und Bilder. Daß es rauchige Industrieviertel, düster langweilige Vorstädte, Lohnkämpfe und Wirtschaftssorgen gibt, ist aus der Ausstellung nicht zu erfahren. Wollte man ihrem Bilde glauben, so hätten die Eingeborenen in den Kolonien keine höhere Sehnsucht, als für die Weißen Erz zu graben, Straßen zu bauen, Gummisaft zu zapfen, und die Weißen wären vollauf mit der schweren Wahl beschäftigt, welche von diesen teuren Luxuseinbänden sie sich anfertigen lassen, welches Silber, Gold und Glas sie wählen, welche von diesen herrlichen Bädern und Kurorten sie zuerst besuchen wollten. Die Welt wird zum bunten Zaubergarten, zum süßesten aller Wunschträume, wenn man hier spazierengeht. Und doch überragt das Wahrzeichen der Ausstellung von 1889, der Eiffelturm, auch noch die heutige, unerreicht als Probe des wagemutigen Stolzes auf eigenes Können, der jene Generation beseelte. Heute können nahezu alle alles; doch keiner hat mehr eine Leistung aufzuweisen, die wie jene zu staunender Bewunderung zwänge. Dargeboten, vorgeführt, gegliedert ist, was es zu sehen gibt, fast immer hübsch, manchmal geistvoll. Zu Spitzen und Schmuck zeigt man alte Porträts, auf denen die gleichen Muster dargestellt, zu Handtaschen Modelle der Tiere, aus deren Fell sie gearbeitet sind; aus einem Baumstamm wird erst synthetische Wolle, dann das fertige Kleid, aus einem Stück Holz stufenweise ein Ski, aus einem schmutzigen Glassplitter ein blitzender Diamant Das Haus der Presse führt neben modernen Maschinen eine Druckerei aus Gutenbergs Zeit im Betrieb vor, im deutschen Pavillon sind optische Modelle zum Experimentieren eingerichtet, Glasbläser bei der Arbeit zu sehen. Die Schweiz ist besonders erfinderisch in solchen Formen: die allmähliche Vereinigung ihrer Kantone stellen Holzstifte auf einer Metallspirale dar, die Gebirgsflora gemalte und präparierte Blumen auf einem Berg aus Glas, ihre Armeen in fremden Diensten Bleisoldaten, ein lustig gemaltes Bild schweizer Unternehmungen und Leistungen in Übersee; ein Guckkasten ausgeschnittener Karikaturen sammelt literarisch und politisch berühmte Gäste der Schweiz in keckem Anachronismus um einen Teetisch herum. Volkstrachten werden überall an Stoffpuppen oder an bemalten Kacheln gezeigt, landschaftlich, architektonisch oder technisch bemerkenswerte Gegenden im photographierten, gemalten, plastischen Panorama. So stellt Deutschland an großem Modell das Stück einer Autostraße und das Gelände des Reichsparteitags dar, Luxemburg den Hauptbezirk seiner Eisenindustrie zusammen mit Proben ihrer Erzeugnisse, 139