Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1937)
- Article
- Weltausstellung 1937
- Date
- 1937-07-01
- Page
- 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Weltausstellung 1937 Ägypten das Leben seiner Fellachen, Italien gibt seine Sehenswürdigkeiten auf „sprechenden" Karten in bunten Figürchen an, in einer Anlage mit altrömischen Mosaiken. Es scheint so, als ob vielfach die Fremdenindustrie (und damit die Gewohnheit der Werbung) der Erfindungsgabe für prägnante Selbstdarstellung erst den richtigen Schwung verleihe. Wo es jedoch größere Geistes- oder Wirtschaftsgebiete zusammenfassend darzustellen gilt, bietet sich als zu bequemes Mittel die Abstraktion an, die bloße Ziffer. Deshalb sind die Wände der meisten Pavillons bedeckt mit Zahlen, Zahlen, Zahlen; kaum daß man ihre Dürre durch Musterstücke und Photomontagen belebt. Produktions- und Verkaufsziffern für Kakao, Zitronen und Perlmutterknöpfe, Statistiken über Straßenlängen, Ferienkinder und Theateraufführungen würden im Kopf des Beschauers bald wild durcheinanderquirlen, entschlösse er sich nicht rasch, diese kostbaren Zahlen, denen doch erst der Vergleich mit andern ihren Stellenwert gibt, einfach ungelesen zu übergehen und nur zur Kenntnis zu nehmen, daß es in Ägypten Baumwolle, in Niederländisch-Indien Kautschuk und in Skandinavien Holz in genügender Menge gibt, um auch noch andern, sofern sie es bezahlen können, etwas davon abzugeben. Bei den Russen überschlägt dieses Mittel sich selbst. Alles Erdenkliche vom Fallschirmabsprung bis zu „wissenschaftlichen Arbeiterinnen" wird in Statistiken ausgetrommelt Man brauchte nicht Stalin auf einem großen Bild im Kreise der Generale zu sehen, von denen er inzwischen die meisten hat erschießen lassen, um sich an das englische Wort von den drei Arten der Lüge erinnert zu fühlen: der gewöhnlichen, der gemeinen und — der Statistik; und dann glaubt man ihnen auch die Zahl der Kirgisenmädchen, denen sie das Alphabet beigebracht haben wollen, nicht mehr. Eine Reihe von Staaten strebt mit einheitlicher Anordnung bewußt politische Werbung an. Portugal z. B. stellt in einem Holzrelief den Aufbau seiner politischen Gliederung, in einem andern das Gleichgewicht seiner Finanzen oder die Staatsausgaben für die Restaurierung von Kunstwerken dar, Italien betont in einer Inschrift das Übergewicht des Volksganzen gegenüber parteiischen Einzelkräften und widmet seinen Partei-, Arbeits- und Jugendorganisationen noch einen besonderen Ehrensaal. Deutschland versagt sich direkte politische Propaganda und wirkt nur durch das Gewicht seiner Leistungen. Auch die westlichen Demokratien sehen fast alle von jeder Erwähnung der Politik ab, wenn sie nicht wie Dänemark und Belgien ihre Darbietungen überhaupt in Schaustellungen privater Firmen auflösen. Nur die Schweiz wirbt bewußt und geschickt für ihre Art der Demokratie mit entsprechender Beschriftung großer Aufnahmen von 140