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Der Morgen · 1937-06-01 · Heft 3 (Juni 1937) · p. 114

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1937)
Article
Umgang mit sich selbst
Date
1937-06-01
Page
114 (sequence 4)
Language
German
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Suse Michael Wer bist du, Mensch, daß du Seiner nicht gedenkst? Uns ist gegeben, auf menschliche Weise rechtes und falsches Tun zu unterscheiden, Bedrückendes, Bedrohendes, Verschattendes hinzuhalten zur Verwandlung. Jedem von uns ist es einmal begegnet, daß er im ehrlichsten Kampf mit den Schatten des Dunkels unterlag, und ein andermal, daß ihm die Kraft kam zum Siege. Was aber beginnen, um für eigenes Wirken das Gleichmaß zu finden? Beispielhaft, als unendliches Vorbild darf es verstanden werden, daß Gott in den sechs großen Werkrunden die Welt erschuf und an jedem Abend gut fand, was er getan hatte, am siebenten Tag aber ruhte, um sich alles Erschaffenen und der Ruhe zu freuen. Zuvörderst nimm jeden Wochentag und erfüll ihn, daß er sich rundet vom Morgen bis zum Abend. „Lebe so, als ob du eine Stunde vor deinem Tode wärest." Das will nicht bedeuten, daß dich Unruhe fassen soll oder Traurigkeit, sondern allein, daß du das Wichtige zuerst tuest und alle Schmerzen, die du andern getan, nachwissend ausheilst noch vor dem Ende. Vielleicht, daß du ein Glücklicher bist, der in einer Stunde schon vor Gottes Thron stehen darf, um zu erfahren, wie groß seine Güte ist. Wenn du also „strengen Dienstes tägliche Bewahrung" geübt hast, so nimm den Abend auf und sieh, was du dem Tag gegeben hast, und wenn es gut war, so laß es auch gut bleiben! — Dann aber schlafe in Frieden ein volles Maß der Ruhe zum Ausgleich für alle Anstrengung des Tages. Und wenn du aufwachst zum nächsten Morgen, so wäre es schön, wenn du nur einen Wunsch hättest: daß deine Hände stark sein möchten und fest, aufzunehmen und festzuhalten, doch auch zu entlassen, was nicht ihrer ist. Und so lebe einen Tag und den nächsten, bis sich die Sechszahl vollendet hat; kommt dann der Abend des Friedens, ein besonderer, weil ihm ein Ruhetag folgt, dann laß allen Zwang der Arbeit los, alle Not des Berufs und sieh auf das, was gut war daran, und damit beginne den Feiertag. Immer stärkt es die Seele, von Gewißheit zu hören, von Zutrauen und Frieden. Wenn du in Freundschaft lebst mit dir selbst, wird es dich freuen, von der Erfülltheit der Tage anderer zu hören. Wenn dich aber Mißmut anfällt, Mißtrauen in dich eindringt, Selbstzweifel dich quälen, was tust du dann? — Bist du ein Maschinenbauer, so lernst du Gesetz von Hub und Stoß, von Masse und Kraft und noch viele andere. Bist du ein Bauer des Feldes, so lernst du, wie man mit den Tieren umgeht, was ihnen nottut zum guten Gedeihen; bückst dich zur Erde, um zu fühlen, ob sie noch verschlossen liegt von der Starrheit des Winters oder ob die Krume weich ist zur Aufnahme 114

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