Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1937)
- Article
- Umgang mit sich selbst
- Date
- 1937-06-01
- Page
- 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Suse Michael gang mit Tieren — als Wärter, dann gehst du zu einem, der bessere Kenntnis hat von diesem und bittest, sein Schüler werden zu dürfen oder sein Lehrling. Treibt es dich aber, aus eigenen Kräften Häuser zu bauen, Brücken und Türme, so lernst du vorerst viele Jahre vom Entwurf der Planung, vom Gebrauch der Stoffe, von der Festgefügtheit des Bodens, auf dem sie stehen sollen. Und lernst und lernst, bis der Augenblick kommt, an dem du es zum ersten Male ausführen darfst, was du begriffen und erarbeitet hast, und wie sich Überliefertes zu Eigenem fügt. Und dann bist du frei geworden zum Meister über diese Dinge. Wie aber, wenn dich Mißmut umfaßt, Mißtrauen in dich eindringt, Selbstzweifel dich quälen, was tust du dann? Wohin wirst du dich wenden und wer wird dir beistehen im Kampf mit den dunklen Gewalten? In dem großen Buche steht im 2. Kapitel des 1. Buches Mose der uns geläufig gewordene Satz: „Und es vollendete Gott am siebenten Tage sein Werk, das er getan, und ruhte aus am siebenten Tag von all seinem Werke, das er getan, und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, denn an ihm feierte er von all seiner Arbeit, Gottes schaffender Tat." Und im 20. Kapitel des 2. Buches folgt unmittelbar aus dem Gedenken des Sabbattages das Gebot: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken; aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du selber keinerlei Werk tun, noch dein Sohn oder deine Tochter, noch dein Knecht oder deine Magd, noch dein Vieh, noch der Fremde in deinen Toren." Was ist mit dem Satz gemeint: „Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest?" Wenn Gort mit seiner grenzenlosen Schöpfungskraft und Allmacht in sechs großen Abschnitten die Welt, und alles was darin ist, lebt und wirken soll, geschaffen; hat, „Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer vollendet" und von seinen Werken ruhte und diesen Tag segnete und heiligte, weil er an ihm geruht hat, dem Menschen aber bei der Gesetzgebung am Sinai gebietet, in menschlicher Weise und menschlicher Zeit sechs Tage lang zu arbeiten und alle notwendigen Dinge zu tun, den siebenten Tag aber zu heiligen und an ihm zu ruhen, was folgt daraus? Es sind gewißlich zwei Dinge gemeint: Erstens, daß man an diesem Tage rückblickend und immer von Neuem begreifend sich an die Wirklichkeit Gottes, die Geschaffenheit seiner Kreaturen erinnern soll, daß Gott die Werke, wie er sie schuf, gut fand, den Mond und die Sterne, die Pflanzen und die Tiere, das Trockene der Erde und die Gewässer, und daß es uns Menschen daher wohl keineswegs zukommt, besser wissen zu wollen, wie 112