Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1937)
- Article
- Der Nahe Osten
- Date
- 1937-06-01
- Page
- 95 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Nahe Osten Panarabisten, dessen Eingreifen in den Generalstreik von 1936 noch in frischer Erinnerung ist, von dem Kurden Bekr Sidky gestürzt worden, der nach dem Irak geflüchtete palästinensische Rebellenführer Fauzi Kaukyi wurde interniert. Das Gesicht des neuen Regimes im alten Zweistromland ist weniger nach Süden als nach Norden und Osten ausgerichtet, nach der Türkei und ihren kurdischen Grenzprovinzen und nach dem Iran, wohin die zahlreichen irakischen Schiiten tendieren. Noch wesentlich eindeutiger sind die Vorgänge um den Sandschak Alexandrette. Kaum war die syrische und libanesische Selbständigkeit von Frankreich zugestanden, so erhob die Türkei eindringliche Ansprüche auf den zu einem guten Teil von Türken bewohnten Bezirk. Die dadurch ausgelösten Verhandlungen sind soweit gediehen, daß der Sandschak ein autonomes Statut erhält, das jede Möglichkeit künftiger politischer und militärischer Einmischung von türkischer Seite offen läßt. Und auch diese Regelung geschieht unter freundlicher englischer Patronanz. Während das Colonialoffice an seiner proarabischen Politik festhält, aus Rücksicht auf die Verbindungswege nach Indien und die mehr als 100 Millionen mohammedanischer Untertanen britischer Majestät, hat das Foreign office die seit dem Weltkrieg abgerissenen Fäden zur Türkei wieder aufgenommen. Ein neues Gleis nach Indien wird angelegt. Es ist sogar ein wirkliches Gleis, denn zum erstenmal seit Jahrzehnten gibt England seinen Widerstand gegen den- Ausbau des bisher fehlenden Verbindungsstücks der Bagdadbahn an der irakisch-türkischen Grenze auf. Es liegen also Hinweise in genügender Anzahl vor, daß England bereit ist, die Linie Mossul—Alexandrette und damit den kürzesten Zugang zu den Ölfeidern dieser Gegend in türkische Hände zu spielen, sobald die arabische Karte nicht mehr sticht. Denkende Araber müssen unter solchen Umständen feststellen, daß die beiden westlichen Mandatsmächte nicht so sehr Exponenten der Knechtschaft als vielmehr Garanten der Freiheit ihrer Länder geworden sind. Ist auch Palästina weniger bedroht als die beiden andern zwischenarabischen Länder, so werden die Herren des Hohen Arabischen Komitees und ihre Freunde doch zu überlegen haben, wer ihnen lieber ist: der High Commissioner, der mit ihnen freundlich, wenn auch unverbindlich, konferiert oder 95