Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1937)
- Article
- Der Nahe Osten
- Date
- 1937-06-01
- Page
- 93 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895566-2895570-2907245--09795-2907277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DER MORGEN / Monatsschrift der juden in Deutschland BEGRÜNDET VON PROFESSOR DR. JULIUS GOLDSTEIN. DARMSTADT 13. JAHRGANG JON! 1937 HEFT 3 Der Nahe Osten Noch hat die Royal Commission ihren Bericht nicht erstattet; doch auch dieser wird für die neue Gestaltung in Palästina und im gesamten Landgebiet zwischen Haifa und Bagdad nur eine Etappe bedeuten: eine endgültige Regelung, die Ruhe verheißt, ist noch nicht abzusehen. Denn was wir in diesen Wochen und Monaten rings um die neuerwachte orientalische Frage erleben, ist ein Musterbeispiel britischer Staatskunst. Es ist ein mit der gewohnten Zähigkeit englischer Kolonialdiplomatie unternommener Versuch, die Zügel des indirect rule, die dem Empire während des Generalstreiks zu entgleiten drohten, so unbemerkt wie möglich wieder aufzunehmen. In der faschistischen Welt, als deren Repräsentant Mussolini in London mit Recht gefürchtet ist, wird diese Haltung nur schwer verstanden. Dort gilt das sie volo, sie jubeo des einen imperialen Herrschers, festes Gesetz und fester Befehl. Das britische Weltreich dagegen ist noch immer erfüllt von der mittelalterlichen Vorstellung einer Har- . monie der Kräfte. Hinter jedem politischen Machtfaktor ist ein zweiter und dritter aufgestellt, der seine Aktivität hemmt, so daß als Endresultat nur die Bewegung eintritt, die dem natürlichen Lauf der Dinge entspricht. Was Palästina betrifft, so sprach man in England oft von der „doppelten Verpflichtung des Mandats", glaubte damit Juden und Araber auseinanderzuhalten, beide, gleichsam wie wenn sie nichts voneinander wüßten, zu befriedigen und ein leidliches 93