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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 83

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Moses Heß - ein Denker der Krise
Date
1937-05-01
Page
83 (sequence 4)
Language
German
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Moses Heß — ein Denker der Krise der von der Erlösungskraft des Judentums an sich überzeugt ist, muß zugestehen, daß auch die Judenheit des 19. Jahrhunderts von der allgemeinen Problematik nicht verschont geblieben sei: auch ihre Glaubenskraft sei dadurch gebrochen, daß die Juden „unfreiwillig von der Strömung der modernen Geschichte mitfortgerissen'1 wurden, nachdem erst ,,der bei weitem größte und wichtigste Teil des Rabbinismus, seine Jurisdiktion, in der modernen Strömung unterging, ohne daß ein orthodoxer oder romantischer Hahn danach krähte". Auf den Zerfall der Glaubensgewißheit haben die Juden in genau der gleichen Weise reagiert wie die Umwelt. „Aus dem Bedürfnis nach objektiv gültigen Normen und aus der Unfähigkeit, sie zu schaffen", werden die Orthodoxen, „im bewußten Widerspruch mit der Vernunft", „zur Umkehr in den alten kritiklosen Glauben veranlaßt, welcher Glauben jedoch bei ihnen seinen naiven, wahrheitsgetreuen Charakter eingebüßt hat", „die Reform (hingegen) hat nichts weiter getan, als den Unglauben konstatiert", da ihc „abstrakter Verstand es zu keinen gültigen Normen bringen kann". „Zwischen dem Nihilismus einer Reform, die nichts gelernt hat, und der Umkehr zu einer verzweifelten Reaktion, die nichts vergessen hat", entscheidet Heß sich im Anschluß an Graetz für das wissenschaftlich begründete „historische" Judentum. Dieses historische Sehen war ein allgemeines Kennzeichen der Zeit, nur die Folgerungen daraus sind Moses Heß eigentümlich. Da die völkische Basis ihm als die Grundvoraussetzung der religiösen Renaissance erscheint, bekämpft er den Prozeß der Assimilation. Er hat als einer der ersten erkannt, daß die Diskussion um die Assimilierbarkeit der. Juden sich auf die Basis der Rassentheorien verlagern werde. Er möchte den nationalen Kern aus seiner Gefährdung durch die Wiederbesiedlung Palästinas retten und sammelt alle Argumente, die für eine Wiederbesiedlung sprechen, ohne sie im einzelnen nachzuprüfen. Er habe, sagt er selbst, mit Absicht die nationale Wurzel mehr als die humanen Blüten des Judentums betont. Wenn ihm so gegen seine ursprüngliche Absicht die letzte Frage unversehens zur ersten wird, so ist es aus der zeitlichen Dringlichkeit zu verstehen, die er ihr beilegte. Durch das im Sozialismus fortwirkende ganzheitliche Sehen Hegels geschult, sah er mit unzeitgemäßer Schärfe ein Gruppenproblem, wo andere nur individuelle Fragen erblickten. Er zog den Geist des Judentums, der sich in die Idee verflüchtigt hatte, wieder in einen sichtbaren Körper zurück. So hat er einer neuen Fragestellung den Weg gebahnt. Das Aprilheä enthielt u.a.: Symbolisches Handeln | Mala Laaser, Die unruhigen Tage | Max Elk und Max Dienemann, Goiiesdiensigesialrung in Erez Israel / Gerhard Scholem, Kabbala - Forschung und jüdische Geschichtsschreibung / Friiz Benjamin, Diesseits und jenseits vom Aequator. Im Juniheft schreiben u. a. Joachim Prinz, Amerika J Ernst Roenau, Jüdische Säkularisierung J M. Y. ben Gavriel, Palästinawinke für empfindsame Reisende« 83

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