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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Umweg über die Brücke
Date
1937-05-01
Page
74 (sequence 8)
Language
German
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Gina Gärtier gelegt, mit blinkenden Wasserhähnen und eingebauten Betten und Schränken, trotz ihrer Enge bequem und durch das gelbe Licht der Petroleumlampen sehr behaglich waren. Frühmorgens erwachten wir, wenn die Maschinen anliefen und die Ankerkette hochging, aber wir drehten uns doch noch einmal um, bis zu einem späten, derben und fülligen Frühstück. Danach saßen oder lagen wir an Deck in der Sonne und schauten in den Wasserschaum hinunter oder zu den Ufern hinüber, die gesittet und wohlbebaut den friedlichen Strom umrahmen. Manchmal kamen wir nahe heran, einmal, bei Lorch, winkte der Steuermann mit weiten Armen seiner Mutter, die nach ihm aus dem Fenster lehnte, und schrie einen freundlichen Gruß. Wir liefen auch oft unter den hin- und herrutschenden Schlepptauen durch, duckten uns unwillkürlich ein wenig dabei — denn der Schiffer hatte uns erzählt, daß Unvorsicht schon den Kopf gekostet habe — und spähten nach den Kähnen hinüber, von denen ein Hundegebell zu uns drang. Wir sahen aber nichts als den Rauch, der aus dem Schornstein der Küche emporstieg. Hier, wo wir immerwährend in einen grünen glasigen Strudel blicken konnten, stritten wir uns gern über unsere Theorien, von denen wir jeder eine nette Sammlung mit uns führten. Dann stieg der eine oder andere mit erhitztem Kopf zum Brücklein hinauf, wo das Steuerrad in einem gläsernen Häuschen glänzte, und verwickelte sich in ein wißbegieriges Gespräch mit dem Kapitän oder dem Steuermann. Dem Heizer sahen wir beim Feuern zu und der Kapitänsfrau beim Wäscheaufhängen. Nach zwei Stunden schauten wir wieder in den Trockenspeicher; dann hing das weiße Zeug zu starren Falten erstarrt da, denn es war sehr heiß neben dem Kesselraum. Fremde Leute sahen wir nicht, außer den von ferne winkenden Schiffern. Erst in Ruhrort legten wir am Kohlenschiff an, ein kleiner Kran schwang zwischen uns herüber und hinüber, und der Bauch unseres Schiffes füllte sich mählich mit neuem Brennstoff. Danach mußte das Deck vom schwarzen Staub gereinigt werden. Noch eben vor der Abfahrt kam ein Proviantboot zu uns herüber, das frisches Brot und Butter, Wurst und Eier mitbrachte und von den Leuten mit Scherzen empfangen wurde. Ein Junge reichte die bestellten Waren herauf und empfing dagegen wohlabgezählte Münze. Sie hätten nun abfahren können, aber sie warteten noch auf einen Mann, der an Bord geklettert kam wie ein Wiesel und der Kapitänsfrau seinen Koffer öffnete, die vielerlei Kleinigkeiten bergend, die ein Haushalt nun einmal braucht, zu Lande oder Wasser. Ich betrachtete den Mann aufmerksam, denn er sah besonders aus. Seine Haut war tiefbraun gebrannt, um einiges dunkler als die rötlichere des Schiffers, und er trug 74

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