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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Umweg über die Brücke
Date
1937-05-01
Page
73 (sequence 7)
Language
German
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Umweg über die Brücke übers Tal, an hohen schwarzen Masten aufgehängt. Die Lichtung setzte sich in eine Waldwiese fort, die bis an den Rand des Weges reichte; drüben lag das Getreidefeld, das sie gestern abgeerntet hatten. Noch lagerten da, aufeinandergesetzt, flachgepreßte Bunde Stroh, die man nicht mehr hatte einfahren können. Das Wetter würde sich trocken halten, es schadete nichts. Eli lehnte die Räder an eine Buche. „Wir wollen uns setzen", sagte er bittend. „Es ist zu naß hier", widersprach das Mädchen. Eli lief über den Weg und kehrte mit einem flachen Strohbund wieder, das leise rauschte. Er legte es vor einem Baum nieder, und, niedersitzend, lehnte er den Rücken an den Stamm. „Jetzt aber.." Bettina setzte sich steif neben ihn, ohne sich zu stützen, noch immer eifersüchtig. „In jenem Winter," fuhr Eli fort, „als wir eigentlich hätten merken müssen, daß es galt, das Haus von Grund aus neu zu bauen, verschlossen wir noch unsere Augen. Wir besaßen das Wesentliche, das, worauf es ankommt, so meinten wir, und vereinbarten, in den Sommerferien nach Holland zu fahren, zu Vincent nach dem Haag, zu Rembrandt nach Amsterdam. Werners Vater vermittelte uns eine Rheinfahrt auf einem Frachtschiff einer schweizer Schiffahrtsgesellschaft. Wir gingen in Worms an Bord. Bald lernte ich, mit schallender Stimme über das dunkle Wasser zu rufen: Doordrecht hau! Dann schwankte ein Licht auf dem unsichtbaren Leib des Schiffes, ein Schatten bewegte sich auf uns zu, die Wache holte uns in einem Boot an Bord. Ich lernte die Leinpfade kennen, die von den Häfen in die Städte führen, grasbewachsen. Es dämmerte bereits, wenn der Schlepper mit seinen fünf Lastkähnen einen weiten Bogen über den Fluß beschrieb und sich gegen die Strömung vor Anker legte. Nie sind mir Städte ferner und doch heimlicher gewesen als an jenen Abenden. Mich verlangte nur danach, an den Domen vorüber und durch beschattete Gäßchen mit überhängenden Häusergiebeln zu streifen, damit ich hernach umso sicherer die Einsamkeit jener Behausung auf dem Wasser genießen könne. Daran freilich hinderte mich Werner, der von jeder Gaststätte gereizt wurde, aus der gesellige Musik drang. Er verlangte nach neuen Menschengesichtern, der gleiche Gang der Tage ermüdete ihn leichter." Eli legte den Arm um das Mädchen, das sich, ermüdet vom Stolz, zusammengekauert hatte; sie schob sich an seine Seite und ließ den Kopf auf seine Schulter sinken, so daß beider Blicke nebeneinander über das Tal strichen. „Bis Ruhrort ging alles gut", fuhr Eli fort. „Wir wohnten in zwei anschließenden Gastkajüten, die, mit gebeiztem Holz aus- 73

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