Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1937)
- Article
- Umweg über die Brücke
- Date
- 1937-05-01
- Page
- 71 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Umweg über die Brücke hätte ich nicht verzeihen dürfen. Die geliebte Landschaft war auf lange hinaus verpestet." Sie mochten nun keiner mehr recht reden, sondern versenkten sich in die Vergangenheit. Jedes versuchte den andern zu durchdringen, und Eigenes wurde nach und nach blaß und verwirrt. Sie traten zusammen hinaus auf das schmale Weglein zwischen den Zäunen und gingen nebeneinander zur Straße zurück. Sie gelangten in einem sanften Zeitmaß (und mieden des andern Blick und sahen ernst aneinander vorbei) aus den Häusern hinaus zwischen mondüberhellte Felder. Eli schaute auf ein grünes Geräthäuschen, nicht grün mehr jetzt, sondern ein schwarzer stumpfer Klotz auf weißer Fläche. Gegenüber streckte sich die kleine Wiese von kaum einem halben Morgen, auf der er zum erstenmal hinter einer Mähmaschine hergelaufen war, um mit der Gabel das Gras zu verstreuen. Dann hatte ihn der Kleinbauer ins Dorf geschickt und er mußte eine Flasche Bier holen, man kriegte Durst bei dem Geschäft. Welch ein Aufatmen, als er nach halbstündigem sonnenheißem Weg das grüne Häuschen wiedersah, das einen kühlen Schluck bedeutete! Nun sah man von den beiden Rädern aus schon den Weg, der linkerhand die mählich herandrängenden Hügel hinaufführte, den mäßig fruchtbaren Weinbergen zu. Eli war ihn oft mit dem Sohn der Bäuerin gegangen, einem Lederarbeiter. Sie erklommen die unbequeme Steigung, ein wenig keuchend, dennoch die Pfeife im Mund, der Lederarbeiter mit vorgeschobenem Leib und hängenden Schultern. Wenn der Eichenwald zu Ende ging, wurde der Weg eben und sonnig, und sie ergingen sich darauf, behaglich schlendernd und schwatzend, und leicht schmunzelnd, wenn die Flasche Most im Rucksack hart an die Rippen schlug. Die wurde hernach liebevoll gelagert und zugedeckt, damit sie kühl bleibe, und wenn ein gut Teil Reben hochgebunden oder eine erkleckliche Menge blaugrünen Vitriols verspritzt war, unter erfreuten Redensarten wieder vorgeholt. Zwischen den Schlucken schauten sie dann ins offene Tal hinunter, das in grüner Lieblichkeit, manchmal beschattet, zwischen den Weinhügeln und dem Wald ausgebreitet lag, bis zu einer plötzlichen Wendung hin, an der sich der Wald vorschob und die Aussicht verstellte. Hinter jener Wendung lag das Gut. Als er im Herbst dann hatte mosten helfen — Korb auf Korb wanderte in die Kelter, und Eli sah auf dem Manometer zu, wie der Druck stieg, es sauste in der bodennassen Küferei —, ließ ihn ein Junge aus dem Bund hinausrufen und sagte ihm, daß eine Stelle draußen auf dem Gut frei sei und er dahin in die Gemeinschaft solle. Es war ihm leid. — Er sah auf. ,Nun werden wir gleich an das Brücklein kommen, am Anfang des Feldwegs, der in einem großen Bogen durch die Äcker zum Gut 71