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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Umweg über die Brücke
Date
1937-05-01
Page
69 (sequence 3)
Language
German
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Umweg über die Brücke imstande, als bedeute das Untenliegende schon den eigentlichen Bau, als wären standhafte Wurzeln Notwendigkeit für einen kraftvollen Wuchs. Auf dem Gut war gestern ein Pferd gefallen: Debora hatte sterben müssen. Ein unvorsichtiger Praktikant hatte ihm zuviel frisches Kleeheu ins Futter gemengt, es bekam Koliken und man erschoß es. Freilich machte man lange kein Ende, der Tierarzt hoffte noch auf eine Lösung der schmerzhaft verschlungenen Eingeweide. Es war ein sehr betretener, von Tierschreien zerschnittener Tag gewesen. Der Verwalter trauerte um Debora, doch verriet er den Schuldigen nicht. „So einen Kerl müßte man wegjagen", sagte Bettina zornig, „wenn man doch wüßte, wer es war! Der Verwalter verrät nichts." Eli sah sie an und meinte, daß der wohl seine Strafe bereits dahin hätte, wenn er die Schreie gehört habe, und daß zudem das Versehen nur durch die Umstände verhängnisvoll geworden sei. Die Debora — und alle andern Pferde — müßten zu hart arbeiten in der Erntezeit, es seien nicht genug Arbeitstiere da. „Und doch ist es ein Mord", beharrte das Mädchen trotzig, „und schlimm, wenn ein solches Geschöpf wegen der Fahrlässigkeit eines groben Menschen umkommen und verderben muß." „Ja, vielleicht; aber du bist hart, Bettine," erwiderte der Junge. Er betrachtete dies Gesicht, das schlicht und rein zwischen braunem Haar lag. ,Gut, lebwohl', sagte er zu diesem Gesicht, ,ich liebe dich, lebwohl. Eigentlich solltest du mich verstehen. Damals, als du dich singend zu einem Apfelbaumsetzling niederbeugtest, warst du besser gegen mich in deiner Güte. Auch weiß ich gut, wie freundlich du ein herabgefallenes Vögelchen in deiner Hand behütetest. Daß deine Augen grau und sanft sind, das verlockte mich/ „Gefällt es dir auf dem Gut?", fragte das Mädchen hastig. „Ich habe die Arbeit lieb und will nie einen anderen Beruf haben, auch drüben im Lande nicht, nie!" „Ach," sagte Eli, „die fremden Atemzüge in den Betten neben mir haben mich ganz krank gemacht, anfangs. Alle die Menschen! Allein mit der Erde sein, ist gut. Auch drüben das Land wird sehr fremd sein." Bettina verstand ihn nicht, die Gemeinschaft unter einem Ziele erschien ihr herrlich. War man sich denn noch unvertraut, wenn man mit dem gleichen Wort das Gleiche meinte? Zudem war der Verwalter da, der es verstand, den Zusammenhang zu bewahren. Eli würde auch so ein Mann werden. Um seinetwillen war Bettina heute nicht mit zur Stadt gefahren, sondern hatte sich 69

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