Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1937)
- Article
- Umweg über die Brücke
- Date
- 1937-05-01
- Page
- 68 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895566-2895569-2907160--09747-2907211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gina Gärtier aus der Koppel sie in Sicherheit wiege. Sie umgab sich mit einem wahren Wellengeplätscher von witzigen Wortwendungen, daß es dem weniger gewandten Eli in den Ohren summte. Er antwortete schlicht und einfach, wie es in seinem Vermögen lag, und ganz ohne Behagen. Welch ein Aufwand! Doch schienen sie in ein behendes Geplauder verwickelt, als sie nun nebeneinander den eignen Lichtkegeln nachfuhren. Links führte ein schmaler gewundener Pfad in die Steinbrüche. Bettina kannte den kleinen, grünen, steinigen Teich, der an seinem Ende lag, sie war auch einmal da geschwommen. Rechts füllte sich die leere Straße plötzlich mit einem Schwärm von Leuten, die sich eben in dem kleinen Kino, in der Mitte zwischen dem Landstädtchen und dem Dorf gelegen, einer ergötzlichen Träumerei überlassen hatten und nun plaudernd, für die halbe Woche mit Abendgedanken versehen, heimwärts schlenderten. Aus der begeisterten Bemerkung eines innig anschmiegsamen Mädchens und dem Titel, der breit auf die Hausfassade gemalt war, erdachte Bettina sich einen sentimentalen Filmzusammenhang, den sie in Dialogen vortrug. In maßlosem Gelächter über ihre eigene Torheit durchholperten Eli und Bettina auf ihren Rädern die sonntäglich verödeten Dorfstraßen. Aus den Wirtschaften strömte, gleichsam mit dem Licht durch die Vorhänge, fröhlicher, ein bißchen trunkener Lärm. Er lockte das Mädchen. So machte sie den Vorschlag, im „Ochsen", der von den Landwirtschaftslehrlingen des Gutes öfter besucht wurde, noch ein Viertel Roten zu trinken. Sie ließen ihre Fahrzeuge am Gartenzaun stehen und liefen vorsichtig hintereinander auf einem schmalen, steinigen Weglein zwischen zwei Gartenzäunen wohl fünfzig Meter, bis sie zum Hintereingang und von da in die Wirtsstube gelangten. Sie fanden einen leeren Tisch in der Ecke, ließen sich umständlich nieder und schauten recht wählerisch in die Weinkarte, die es der sonntäglichen Ausflügler halber gab. In dem künstlichen Licht waren sie verlegen und einander fremd. Die jungen Arbeiter an den Nebentischen machten laute und ins Schwarze treffende Bemerkungen zu ihren Mädchen, die unter unwilligen Grimassen kleine Schläge austeilten oder auch geschmeichelt näherrückten. Eli und Bettina lächelten einander zu. Die Rede kam auf das Gut, wo Bettina seit dem Frühjahr, Eli schon über ein Jahr lebten, beide einem Beruf zugewandt, den ihre Eltern ihnen nicht erträumt hatten. Sie waren bemüht, sich in eine ihnen eigentlich nicht gemäße Schicht einzugliedern, indem sie sich aus Bürgern in Bauern verwandelten; vielleicht sagen manche, daß sie gesellschaftlich im Absinken begriffen waren. Allein ihnen schien es, als seien sie nun erst zur Dauer 68