Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1937)
- Article
- Jüdische Wanderungspolitik heute und morgen
- Date
- 1937-05-01
- Page
- 56 (sequence 4)
- Language
- German
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Arthur Prinz genstand zweiseitiger Staatsverträge bildet, so liegt es auf der Hand, daß auf die Dauer die jüdische Wanderungspolitik vor allem einer qualifizierten Vertretung bedarf, der nicht mehr der Charakter eines Wohltätigkeitsvereins anhaften darf, sondern die die Zusammenfassung aller an der jüdischen Wanderung beteiligten Kräfte darstellen muß. Wer den heutigen Zustand kennt, die Vielfalt der Organisationen, die miteinander, nebeneinander, oft gegeneinander und durcheinander arbeiten und von den verschiedensten Auffassungen geleitet werden, der wird gewiß nicht bezweifeln, daß bis zu diesem Ziel ein weiter Weg ist. Eine der Hauptschwierigkeiten würde darin liegen, daß eine solche wirklich ins Gewicht fallende internationale jüdische Wanderungsorganisation einerseits von den breiten Massen in den Auswanderungsländern getragen werden, andererseits aber auch die Unterstützung der kapitalkräftigen Kreise vor allem des englischen und amerikanischen Judentums genießen müßte. Wer heute die erschütternde Richtungslosigkeit kennt, die gerade in sehr kapitalkräftigen und an sich auch opferbereiten Kreisen des amerikanischen Judentums herrscht, wird eine solche organisatorische Vereinheitlichung für ebenso notwendig wie schwierig halten. 2. Es liegt aber auf der Hand, daß eine organisatorische Zusammenfassung der jüdischen Wanderungspolitik nicht möglich sein wird ohne eine grundsätzliche Einigung über ihre Ziele. Heute herrschen auf diesem Gebiet die allerstärksten Gegensätze. Während manche Kreise noch mit dem Gedanken spielen, irgendwo auf der Welt einen Judenstaat zu gründen und zu diesem Zweck Forschungsexpeditionen ausrüsten, legen andere, in der jüdischen Wanderungsarbeit durchaus nicht einflußlose Persönlichkeiten nicht einmal darauf Wert, daß die Einwanderer in der neuen Heimat klimatische, wirtschaftliche, kulturelle und politische Bedingungen von der Art vorfinden, die ihnen die Erhaltung ihrer jüdischen Eigenart auf unbegrenzte Zeit gestatten. Völlige Klarheit über die grundsätzlichen Ziele jüdischer Wanderungspolitik ist aber nicht nur die Voraussetzung für eine äußere Einigung auf jüdischer Seite — und damit überhaupt für unsere Verhandlungsfähigkeit gegenüber den Einwanderungsstaaten —, sondern von den Ergebnissen dieses innerjüdischen Klärungsprozesses hängen auch die konkreten Erfolgsaussichten jeder künftigen jüdischen Wanderungspolitik ab. Erst wenn wir uns darüber klar sind, in welchen Grenzen wir die Assimilation an das Land und die Volksmehrheit des Einwanderungsstaates willig auf uns nehmen und wo unser Widerstand gegen die Aufgabe jüdischer Werte beginnt, erst dann können wir mehr 56