Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1937)
- Article
- Vollendete Tatsachen
- Date
- 1937-05-01
- Page
- 51 (sequence 3)
- Language
- German
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Vollendete Tatsachen Palästinarates — die erste sich selbst verwaltende, gemischtwirtschaftliche Siedlung Deganja am Kinneretsee. Wirklich brachte Deganja, wie es der kluge Palästinarat errechnet hatte, in den ersten Jahren ein Defizit. „Es war in der Tat ein Irrtum", gesteht Ruppin später auf dem Wiener Zionistenkongreß, doch „ein Irrtum, der zum schnellen Handeln anregt, kann oft wertvoller sein als hundert Wahrheiten, die den Mut lähmen und zur Untätigkeit verurteilen. Solch ein Irrtum war Kinneret". Solche Irrtümer mögen Ruppin in seiner immer umfassender werdenden Arbeit viele unterlaufen sein. Oft hat er sich mit kritischen Stimmen auseinanderzusetzen. Der Weltkrieg stellt den mutigen Beginn in Frage, Krisen hemmen den Unternehmungsgeist, Unruhen bedrohen die Tatkraft. Oft mag er im einzelnen unrecht gehabt haben, aber im ganzen hat er unangreifbar recht behalten. Das Werk erstarkte, von Jahr zu Jahr wuchsen die Zahlen. Als nach den Unruhen von 1929 die britische Shaw-Kommission ins Land kommt und später auf grund ihrer Untersuchungen Sir John Hope Simpson und Mr. Lewis French sogenannte Landerschließungspläne ausarbeiten, tritt Ruppin ihren Ergebnissen mit unwiderleglichem Material entgegen. Die Legende von den durch jüdische Bodenkäufe landlos gewordenen Arabern entkräftet er so einwandfrei, daß man sie schließlich auf englischer Seite fallen lassen muß. Und er stellt dem englischen einen eigenen Aufbauplan gegenüber, dessen stärkstes Argument neben Sachkunde und Zukunftswillen wiederum die schon vollbrachte Leistung darstellt. „Visionen sind nützlich und anregend, aber was uns vorwärtsbringt, ist die Arbeit des Alltags", sagt Ruppin 1932 auf dem Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Er hat sich in diesem Worten gut gezeichnet, dieser nüchterne, sachliche Mann, der schon in den frühen Tagen des Zionismus, in den Tagen der „Schwärmer und Träumer in Israel", hinausging und die harte Wirklichkeit bezwang. Es mag auch eine verständliche Proteststimmung darin mitgeschwungen haben; oft genug hatte er auf Tagungen und Kongressen erlebt, daß man seine Berichte nicht mit der gleichen Anteilnahme verfolgte, die man den großen ideologischen Aufrissen, allerdings auch dem kleinlichen politischen Gezänk entgegenbrachte. Und Öl