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Der Morgen · 1937-05-01 · Heft 2 (Mai 1937) · p. 50

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1937)
Article
Vollendete Tatsachen
Date
1937-05-01
Page
50 (sequence 2)
Language
German
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Vollendete Tatsachen In solcher Lage erlangt eine Neuerscheinung erhöhten Wert, die viel mehr in sich faßt als bedrucktes Papier. Die Buchseiten und Kapitel, die der Schocken-Verlag mit der Sammlung der Reden und Schriften Artur Ruppins „Dreißig Jahre Aufbau in Palästina" vor uns hinlegt, sind gar nicht ihr eigentlicher Inhalt. Sie sind nur ein Spiegelbild einer hinter ihnen stehenden Wirklichkeit, die sie uns treu und sachlich vermitteln. Da entsandte vor nunmehr dreißig Jahren der Haager Zionistenkongreß einen jungen Kaufmann nach Palästina mit dem Auftrag, über die vorhandenen Kolonisationsversuche zu berichten und Vorschläge für ihre Fortführung auszuarbeiten. Er hatte sich noch nicht die zionistischen Sporen verdient, war kein in den Stürmen der jungen Bewegung erprobter Gesinnungsgenosse. Das Judentum war ihm viel mehr Gegenstand interessierter und im wissenschaftlichen Ergebnis erfolgreicher Betrachtung als ein von innen her erfüllender Antrieb. Aber das Wagnis gelang trotzdem über alle Erwartung hinaus. Artur Ruppin untersuchte nichtnur die Aufbaubedingungen, die er vorfand; er gab nicht nur eine Fülle fördernder Anregungen für die Zukunft; er wurde aus einem Kaufmann und Gelehrten zu dem Kolonisationspraktiker des jüdischen Palästinawerks. Die Sache, der er sich von außen her nahte, wurde im stärksten Sinne des Wortes seine Sache. Ein Jahr nach der Erledigung seines ersten Auftrages, 1908, übersiedelte Ruppin endgültig nach Palästina. Es war die Zeit, in der dem großartigen Kolonisationsversuch des Baron Rothschild ein allgemeiner Niedergang gefolgt war. Ruppin stellt dem Rothschildschen Grundsatz der Philantropie den wirtschaftlichnationalen Aufbaugedanken entgegen. Er löste die „Kolonisation des reichen Mannes" durch ein System ab, in dem jeder einzelne Siedler ein Höchstmaß an Verantwortung trug, in dem von Menschen und Einrichtungen zunächst wirtschaftliche Bewährung gefordert und dann in der letzten Entscheidung dem nationalen Gesichtspunkt der Vorrang eingeräumt wurde. Er hält in aller Sorge für die kleine Einheit, die Einzelfarm und die Kwuza, den Blick immer auf das große Ziel gerichtet. Er fordert großzügigen Bodenerwerb, sorgt für die Heranbildung eines geeigneten Siedlerstandes, schafft Finanzinstrumente und Kreditsysteme und gründet — gegen das energische Gutachten des damals maßgeblichen SO

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