Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1937-04-01 · Heft 1 (April 1937) · p. 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 1 (April 1937)
Article
Kabbala-Forschung und jüdische Geschichtsschreibung in der Universität Jerusalem
Date
1937-04-01
Page
30 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895566-2895568-2907075--09686-2907129
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Gerhard Scholem ab, in der es uns gelingen wird, diese mannigfachen, teils mehr historisch, teils mehr philosophisch bedeutsamen Fragen zu beantworten. Was ist der Charakter der ersten mystischen Begriffsbildungen in Talmud und Midrasch? Wie steht es mit den ältesten in sich geschlossenen Dokumenten der jüdischen Mystik, die uns aus spät-talmudischer, wenn nicht aus noch früherer Zeit erhalten sind? Welche Beziehungen verbindet diese älteste jüdische Mystik mit den religiösen und mystischen Bewegungen der ausgehenden Antike? Wie verwandeln sich die religiösen Begriffe der Agada in die der alten Kabbalisten, und welche geistige Welt durchdringt 'deren älteste Dokumente? Aus welchen Antrieben heraus gestaltete sich die jüdische Mystik zu den Formen, die sie in der spanischen Blüteperiode der Kabbala, im 13. Jahrhundert, angenommen hat? Können wir noch die Geschichte des Aufkommens und der Entwicklung dieser Gedankengänge und Bewegungen, ihre Wanderung vom Orient nach dem Abendland und ihre Entwicklung in Spanien zu einer „mystischen Theologie" des Judentums verfolgen? Wie verhält es sich mit dem Hauptwerk dieser spanischen Kabbala, dem Sohar? Werden die so oft und ungenügend behandelten Fragen nach Art, Komposition und Herkunft dieses Buches noch ihre endgültige Antwort finden? Was ist der eigentliche geistige Schauplatz der großen Auseinandersetzung der Kabbala mit der rationalen Philosophie des Mittelalters, und welches sind die Gründe, aus denen die Kabbala im Bewußtsein des jüdischen Volkes im Laufe mehrerer Jahrhunderte den Sieg davongetragen hat? Wo liegt das Geheimnis der großen volkstümlichen Wirkung einer ursprünglich so aristokratisch gerichteten Geisteshaltung? Wie kommt die Kabbala dazu, im 16. Jahrhundert eine die jüdische Lebensform umwälzende historische Macht zu werden? Was ging eigentlich damals in Safed vor? Was sind die Beziehungen der Kabbala zum Messianismus? Wie sah die Kabbala in den drei Jahrhunderten, in denen sie mit die wichtigste geistige Macht im Judentum darstellte, aus? Was war der systematische Beitrag der großen Systeme ihrer Blütezeit zum religiösen Denken des Judentums? Wie steht es eigentlich mit der Beziehung zwischen unserer Kabbala in ihren verschiedenartigen Systemen und dem, was der Religionshistoriker Mystik nennt? Gibt es eine spezifische Struktur des kabbalistischen Denkens im ganzen oder in gewissen Perioden? Wie steht es mit dem angeblichen oder wirklichen Pantheismus der Kabbala oder einzelner Kabbalisten? Wie verwandelt sich schließlich in der sabbatianischen Bewegung das als heiligstes Besitztum gehütete Erbe in mystische Ketzerei? Was war der wirkliche Zusammenhang zwischen dem Zerfall der Kabbala und dem Aufkommen der Haskala? Und wie steht es 30

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.